© Spurensucher - 05. November 2017

Liegengeblieben – 16.000 Tonnen-Block im chinesischen Steinbruch

 

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Schwergewichtiges Überbleibsel eines zweifellos groß angelegten Projektes, dessen Verwendung jedoch meiner Ansicht nach im Dunkeln liegt. Unfertiggestellte Quader aus Baalbeck oder Assuan wirken dagegen wie "Westentaschenblöcke". Hier der Stelensockel.

 

Die Geschichte mit dem chinesischen Steinbruch in Yangshan ist noch nicht jedermann geläufig: Man will uns heute weis machen, dass man vor über 600 Jahren nach der Fertigstellung einer 16.000 Tonnen-Stele erst angefangen hat, darüber nachzudenken, wie man sie aus einem kilometerweit entfernten chinesischen Steinbruch zum Ming Xiaoling Mausoleum transportieren solle. Während der angeblichen Bauzeit – etwa 8 Jahre – schien man diesen Gedanken erfolgreich verdrängt zu haben. Wieso klingt das für mich nach einem aufgebundenen Bären … ?

 

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Abb.: Fernsicht auf den alten Steinbruch aus dem 15. Jhd. aus unterschiedlichen Perspektiven

 

Gut, man räumt uns ein, dass wir es hier mit einem der ältesten "Steinbrüche" der Welt zu tun haben. Er wird zumindest seit Jahrhunderten als Kalkstein-Materialquelle für Gebäude und Denkmäler in Nanjing genutzt. Das war's aber dann auch schon mit der Normalität. Fassen wir einmal zusammen. Entsprechend dem üblichen Entwurf einer chinesischen Gedenkstele wurden seinerzeit drei Einzelteile aus einem Felsen in Yangshan geschnitten, die bis heute noch dort zu finden sind: der rechteckige Sockel, der Stelenkörper und der Stelenkopf (eine Krone, die mit einem Drachenmotiv verziert werden sollte – jedoch heute nur schwer mit einer solchen Zielsetzung bildlich zu assoziieren ist). Nachdem die meisten "Steinmetzarbeiten" erledigt waren, erkannten die Architekten, dass es physikalisch nicht möglich sein würde, die Steine von Yangshan nach Ming Xiaoling zu bringen, geschweige denn sie dort richtig aufeinander- bzw. zusammenzusetzen. Soso … hatten die Logistikspezialisten von damals einfach nur ein paar Stellen vor dem Komma übersehen?

 

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Abbildung der "Ersatzlieferung": Weil's angeblich mit der gigantischen Stele nicht geklappt hat, musste man ausweichen, um im Sifangcheng-Pavillon von Ming Xiaoling dem Hongwu Kaiser seine Ehrerbietung zu zeigen: Die große Bixi-Schildkröte mit der Shendong Shengde Stele zu Ehren des Hongwu Kaisers (>> Bildquelle) ist gegenüber der ursprünglichen Stelenplanung eher eine Miniaturausführung: (Zur Erklärung: Bixi ist einer der neun Söhne des Drachenkönigs. Als Skulptur findet sich das Motiv in Sockeln von Denkmälern und Grabsteinen, aber auch in Brückenpfeilern und Torbögen. Man findet sie im ostasiatischen Raum, darunter Vietnam, Mongolei, Korea, Japan und Teilen Russlands). Die Schildkröte ist 5,15 m lang, 2,54 m breit und 2,8 m hoch, die Stele ist 8,78 m hoch (einschließlich der Schildkröte). Größentechnisch geradezu lächerlich gegenüber der ursprünglichen Idee … 

  

Das Projekt wurde jedenfalls, als fast alles erledigt war, einfach abgebrochen. Anstelle der Stele wurde 1413 in Ming Xiaolings "Square Pavilion"(Sifangcheng) die besagte wesentlich kleinere Stele (wohl noch immer die größte im Raum Nanjing) aufgestellt – auch bekannt als Shengong Shengde ("Göttliche Verdienste und göttliche Tugenden").

 

Sollte es sich hier um einen üblen Scherz handeln, der eher mit Erfahrungen europäischer Schildbürgerstreiche im Einklang steht (so, als brächte man den Berliner Flughafen ins Spiel)? Am mangelnden Ehrgeiz kann es nicht gelegen haben: Immerhin ging man mit den damaligen Arbeitskräften nicht gerade zimperlich um: Einer Legende zufolge wurden Arbeiter, die die tägliche Quote an Abbaumaterial nicht produzieren konnten, auf der Stelle hingerichtet. Im Gedenken an die Arbeiter, die auf der Baustelle starben - einschließlich derer, die an Überarbeitung und Krankheit zu Tode kamen - wurde ein nahegelegenes Dorf unter dem Namen Fentou oder übersetzt "Grave Mound "bekannt. Ann Paludan, eine bekannte britische Autorin verschiedener Bücher zur chinesischen Geschichte, on Chinese history, übersetzte den Ortsnamen mit "Death's Head Valley".

 

Die Entfernung vom Steinbruch zum Mausoleum beträgt damals wie heute etwa 16-18 km. In welcher Form man damals zu Anfang der Steinbrucharbeiten gedacht hatte, diese Kolosse dorthin zu bringen, dürfte die große Frage sein. Auf Pferdekarren über Lehmpisten etwa …?

 

Aber was befindet sich heute im Steinbruch Yangshan? Die drei unfertigen Stelebestandteile, die teilweise vom lebenden Felsen des Berges getrennt wurden. Die derzeitigen Abmessungen und die üblichen Gewichte der Stelen:

Basisstele oder Sockel: 30,35 m lang, 13 m dick, 16 m hoch, 16.250 Tonnen.
Stelenkörper: 49,4 m lang (das wäre die Höhe, wenn die Stele richtig aufgesetzt worden wäre), 10,7 m breit, 4,4 m dick, 8.799 Tonnen.
Stelenkopf: 10,7 m hoch, 20,3 m breit, 8,4 m dick, 6.118 Tonnen.

Nach Expertenmeinung wäre die Stele 73 Meter hoch gewesen, wenn sie fertig und zusammengesetzt worden wäre, indem man den Stelenkörper vertikal auf dem Sockel montiert und mit dem Stelenkopf am oberen Ende abgeschlossen hätte. Wir erinnern uns: Die Shengong Shengde Stele, die in Ming Xiaoling installiert wurde, ist "läppische" 8,78 m hoch. 

 

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Abbildungen der Hauptstele mit den freigelegten "Sockel"-Abschnitten und den glatten Seitenwänden, die einst (vor dem Einsätzen von Witterung und Erosion) sicherlich geradezu "blank" waren. Die Sockelabschnitte sind hier noch die einzigen Verbindungen zum ursprünglichen Felsen. Man darf sich fragen, mit welchen Technologien diese Menschen seinerzeit gearbeitet haben.

 

 

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Abb.: Rechts, der Stelenkörper, links der vorgesehene Kopf der Stele

 

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Kopf und Körper

 

Hier das Ganze von oben. Man sieht auf der rechten Seite die imposante Länge des Stelenkörpers.

 

 

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Abb.: Im Hintergrund der Stelenkörper, im Vordergrund das angeblich für das Monument vorgesehen "Kopfteil", das später aufgesetzt werden sollte. Interessant sind auch die Knöpfe und die geraden Ausschnitte. So etwas kennen wir auch von anderen Megalithen.

 

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Einfach lächerlich, uns glauben machen zu wollen, dass man sich hier "nur" etwas verschätzt hätte und dieses Gesteins-"Monster" am Ende gegen eine Miniaturfigur getauscht hat. Nachdem die meisten Steinschneidearbeiten erledigt waren, sollen die Architekten also erst erkannt haben, dass es physikalisch nicht möglich sein würde, die Steine von Yangshan nach Ming Xiaoling zu bringen, geschweige denn sie dort richtig zusammen zu setzen? Für wie dumm will man uns hier halten? Einmal abgesehen davon, dass die Schneidearbeiten wohl eher nicht nach klassischem Hammer-Meißel-Schema durchgeführt wurden. Es drängt sich mir der Gedanke auf, dass wir es hier weder mit klassischen Steinbruchtechnologien zu tun haben, die dem Anfang des 15. Jahrhunderts entsprachen, noch mit einer wahren Geschichte: Dem Ammenmärchen der "Schmuckstele" in Kombination mit dem "gescheiterten" Transport.

 

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Abb.: Aushöhlung unter der Stele

 

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Abb.: Einst glatte Wände / Es ist kaum anzunehmen, dass hier seinerzeit mit Hammer und Meissel operiert wurde.

 

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Abb.: Bearbeitungsspuren unterhalb der Stele

 

Mir persönlich sieht das Ganze nach einer großen Vertuschungsaktion aus. Entweder das Projekt war ursprünglich ein ganz anderes oder dieser "Steinbruch" existierte schon viel länger zuvor und hatte eine völlig andere Bestimmung. Unabhängig davon stellt sich die Frage, wie diese Menschen diese Freilegung ohne technischem Equipment bewerkstelligt haben wollen.

 

Bildquellen: wikimedia commons

 

 

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