10. März 2016 – Spurensucher

Typisch griechisch? Das materialistische Weltbild ist "unterirdisch"

Die Allegorie aus Platons Höhlengleichnis

 

plato-allegory-of-the-cavePlaton (Griechisch:.. Πλάτων, 427. BC - 347. BC), ein griechischer Philosoph aus Athen und Sokrates Schüler, sollte im Grunde jedem ein Begriff sein. Mit dem sogenannten Höhlengleichnis schafft uns Platon eine Grundlage, um einen Befreiungsprozess von der sinnlich wahrnehmbaren Welt der vergänglichen Dinge ingangzusetzen.

Worum geht's genau? Platon lässt seinen alten Lehrer Sokrates in seinem siebten Buch (Dialog Politeia) eine bildliche Situation beschreiben:

In einer unterirdischen Höhle leben Menschen, die seit ihrer Kindheit dort als Gefangene untergebracht sind. Sie befinden sich dauerhaft in einer sitzenden Position und sind dort so festgebunden, dass sie lediglich eine Höhlenwand im Blick haben und ihre Köpfe auch nicht drehen können.

Dadurch sehen sie auch nicht den Ausgang der Höhle, der sich gleich hinter ihrem Rücken befindet. Von seiner Existenz wissen sie demnach auch nichts. Das Beispiel, das auf den ersten Blick nicht besonders realistisch klingt, geht auch noch davon aus, dass sich die Gefangenen weder selbst noch die anderen direkt sehen können (sie sind sich natürlich trotzdem der Gegenwart ihrer Mitgefangenen bewusst). Einzig die Wand, die sich vor ihnen befindet, ist für sie optisch sichtbar.

Licht in der Höhle geht von einem großen Feuer aus, das sich nicht direkt in der Höhle befindet, aber dessen Licht durch den Gang hinabscheint. Der Feuerschein bzw. das Licht fällt auf die Wand, der die Gefangenen im Sitzen dauerhaft zugewandt sind. Die erleuchtete Wand vor ihren Augen ist jedoch nicht einfach nur hell, sondern wirft Schatten von bewegten Gegenständen, die von Menschen hinter ihrem Rücken an Trägern in die Höhe gehalten werden.

Die sitzenden Gefangenen wissen nichts von der Inszenierung, auch nicht von den Trägern, die ihnen diese Projektion vor Augen führen. Reden die Gefangenen, hallt das Echo von der Höhlenwand zurück. Sie haben folglich den Eindruck, als kämen diese Stimmen direkt von den an die Wand projizierten Schatten. Da die Höhlenbewohner permanent damit beschäftigt sind, arbeiten sie eigene Theorien zur Schattenbildung aus und entwickeln Gesetzmäßigkeiten, wann und unter welchen Umständen sie auftreten. Ihre Wissenschaft der Schatten wird von subjektiven Prognosen begleitet. Der, der die besten Vorhersagen tätigt, was ihre Bildung/Entstehung anbelangt, erntet den größten Applaus.

Diese Scheinrealität wird durchbrochen, als Sokrates den Anstoß gibt, sich vorzustellen, was mit einem der Gefangenen passieren würde, wenn man ihn losbindet. 

 

Der Blick über den Tellerrand

Die Situation: Der Gefangene wird losgebunden, soll aufstehen, sich umdrehen und zum Ausgang schauen. Reaktion: Die Person ist bereits beim Anblick der direkten Liechtquelle schmerzhaft geblendet und verwirrt. 

Es ist anzunehmen, dass die in sein Blickfeld gekommenen Dinge weitaus weniger real erscheinen als die ihm vertrauten Schatten an der ihm vertrauten Wand. Sie würden dem Befreier keinen Glauben schenken und doch lieber wieder zurück auf ihre Ausgangsposition gehen, die ihnen viel realer erscheint.

Sokrates geht einen Schritt weiter und regt das Gedankenspiel an, sich vorzustellen, was geschähe, wenn man den Gefangenen sogar aus der Höhle bugsiert. Reaktion: Dieser würde sich sträuben, er wäre verwirrt. An das Sonnenlicht würde er sich erst nach längerer Zeit gewöhnen und auch dann erst allmählich lernen, dass das Lichtspiel der Sonne im Zusammenhang mit Objekten verantwortlich ist für die Schattenbildung. Er hätte eine komplett neue Welt entdeckt – mit allen Freiheiten, die ihm die Höhle nicht bietet.

Es bedarf keiner großen Vorstellungskraft, dass dieser Kollege nach seinen Erlebnissen kein Interesse mehr verspürt, zurück zu seinen Mitgefangenen zu gehen. Die gewonnene Freiheit mit dem "Rundumblick" (in jeder Hinsicht) wäre nun ein höchst befreiendes Erlebnis, wenngleich mit einer entsprechenden Gewöhnungsphase verbunden.

Zurück in der Höhle hätte die dort gegründete "Schattenwissenschaft" am Platz der Gefangenen keine Relevanz mehr für den "Erleuchteten" und er würde als verwirrt gelten, würde er nach seiner (erzwungenen) Rückkehr den anderen Gefangenen gegenüber seine Erlebnisse schildern. Ab diesem Zeitpunkt würde er zum einen nicht mehr nur der Lächerlichkeit ausgesetzt sein, sondern auch als Gefahr gelten; würde er das Weltbild seiner Zellengenossen aufgrund seiner Erlebnisse noch weiter durcheinander bringen. Diese wiederum würden sich weiterhin ihrer Pseudowissenschaft widmen. Ein erneuter Aufstieg würde - sofern jemand Anstalten machte - sogar mit dem Tod bestraft.

 

Selber mal drüberschauen?

Das Ganze lässt nicht nur tief blicken, sondern sich auch auf unser konkretes Leben übertragen. Dieses aufrüttelnde Gleichnis lässt uns die Frage stellen, wie wirklich die Wirklichkeit nun wirklich ist? Sofern wir uns mit der determinierten Sicht der Dinge zufrieden geben, kommen wir nicht auf die Idee, uns weiter mit alternativen Ansichten/Perspektiven und Erlebnissen auseinander zu setzen. Wir müssen uns dazu nicht reflexartig um religiöse Antworten bemühen, sondern uns fragen, ob wir durch unsere persönliche Veränderung nicht auch unseren Horizont erweitern können?

Man gewinnt den Eindruck, dass wir uns in einer ähnlichen Situation befinden. Die Situation des "Aufwachens", des Austauschs neuer Informationen über "Realitäten", unterschiedliche Sicht- und Denkweisen, unorthodoxe Blickwinkel etc. führt zu ähnlich unheilvollen Umständen wie nach der Rückkehr des Gefangenen in die Höhle.

Die Reaktion des Mainstreams, der etablierten "Wissenschaftler/Wissenschaften", der Kirchen etc. erinnert dabei an die der Mitgefangenen, die den Rückkehrer alles andere als fürsorglich wieder in ihre Gemeinschaft aufnehmen. Vorherrschende Denkdisziplinen unterdrücken und ersticken aufkeimende Gedankensprossen, die nicht dem Mainstream entsprechen und werden im besten Fall dem öffentlichen Hohn ausgesetzt. Aber das ist ein anderes Thema …

 

Auf Tuchfühlung mit dem erwachenden Matrix-Bewusstsein (alle 3 Teile sind für den Einstieg aufschlussreich):

 

 

 

Matrix-Bewusstsein: Paranoia oder Erweiterung? 

Die Allegorie strotzt natürlich vor Symbolen, deren Analogie zu heutigen Perspektiven und Situationen nicht ignoriert werden kann. Ausgangspunkt ist die Intuition als Triebfeder für eine hungrige Neugierde, sich von der Höhle abzuwenden und sich neuen "lichtvollen" und weniger "lichtvollen" Erkenntnissen zu widmen und dabei alles schulisch "Eingetrichterte" in Frage zu stellen. Dabei reicht es schon, dem Impuls nachzugeben, das "Gewöhnliche" hinter sich zu lassen und nicht alles zu glauben, was einem vorgesetzt wird.

Im Kinofilm "Matrix" wird diese Allegorie ja mehr als plastisch in Szene gesetzt. Platon's Höhlengleichnis wie auch der Matrix-Film führen uns gleichsam vor Augen, dass unsere Welt sowohl das Ergebnis unserer beschränkten Wahrnehmung als auch eine von außen gesteuerte Inszenierung ist. Und das muss selbstverständlich nicht zwangsläufig auf "Gott" oder auf "Alles-was-ist" (für die Nicht-Religiösen, zu denen ich mich auch zähle) zurückzuführen sein. 

Sowohl der Film "Matrix" als auch Platon gehen von der Annahme aus, dass (vornehm ausgedrückt) "dirigistische Kräfte" am Werk sind, diese Kulisse zu erschaffen und jegliche Form andersdenkender Strömungen, Sensivität und freigeistiger Entwicklungen zu unterbinden. Wer das bezweifelt, mag sich zunächst einmal seiner tagtäglichen Restriktionen und seiner eingeschränkten Wahrnehmungen wirklich bewusst werden.

Das Ganze ist übrigens nicht allein der Phantasterei griechischer Philosophen geschuldet, die Opfer ihrer Langeweile und Exzentrik waren. Genausowenig stützt sich die Filmindustrie auf rein künstlerische Ambitionen, um uns dieses Sci-Fi Machwerk womöglich auch nur wie gewohnt aus reinem Profitinteresse unterzujubeln. Auch wenn der schmunzelnde Leser spätestens jetzt den Absprung tätigt – die Idee eines holographischen Universums hat zwischenzeitlich längst in der Wissenschaft Fuß gefasst. Zumindest hinter vorgehaltener Hand.

 

 

 

 

 

Bildquelle: www.learning-mind.com/plato-allegory-of-the-cave/ 

 

 

 

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