© Spurensucher - 04. September 2016

Große Steine, kleine Öffnungen: Feenhäuser auf Sardinien?

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Von sardischen Einheimischen werden sie 'Feenhäuser' genannt, doch handelt es sich dabei nur um einen mythologischen Scherz? Sardiniens eindrucksvolle Megalith-Strukturen warten allein in der Nähe von Mamoiada mit bis zu hundert ausgehöhlten Steinfelsen auf, die Platz für Kleinwüchsige bieten könnten. Wie aber sieht man das offiziell? "Domus de Janas" bedeutet übersetzt "Feenhäuser". Man verwendet aber auch die Bezeichnung "Necropoli ipogeica" (zu Deutsch: "Felsengräber"). Also, was denn nun … ? Insgesamt geht die Zahl dieser "Feenhäuser" in die Tausende.

 

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Abbildungen: http://www.chasingtheunexpected.com

 

Wikipedia behauptet, dass diese eindrucksvollen Aushöhlungen der Nuraghen-Kultur zu verdanken sei, die etwa 2.200 - 1.600 v. Christus auf Sardinien (bau)aktiv war. Man findet aber an anderer Stelle Angaben darüber, dass die Ozieri-Kultur (4.000-3.200 v. Chr.) daran beteiligt gewesen sei.

 

Bei meinen weiteren Recherchen allerdings wurden auch ältere Zeiträume genannt, … nämlich dass diese Bauten sogar mindestens auf 5.000 - 4.000 v. Chr. zurückgehen sollen. Also handelt es sich hier schon mal um recht widersprüchliche Angaben.

 

Man findet die kleinen Behausungen, die mit ausschließlich urzeitlichen Grabstätten in Verbindung gebracht werden, überall weit verteilt auf der Insel. Touristen können sie durch die sorgsame Beschilderung nicht verfehlen.

 

Diese "Feenhäuser", "Feengräber" oder auch einfach nur Nuraghen genannt, begleiten jeden Sardinienurlauber auf Schritt und Tritt. Manche sind zugewachsen, einige jedoch geradezu gepflegt und vorbildlich erhalten.

 

Genau genommen handelt es sich bei den kleinen Ausgaben um nur einen Kubikmeter große würfelförmige Kammern mit leicht bauchigen Wänden und abgerundeten Ecken, die mitunter durch eine Platte verschlossen wurden, worauf noch angebrachte Rahmenkonstruktionen hinweisen. Im "Wikipedia"-Deutsch spricht man auch von 'Felsenwohnungen' und 'Erweiterungsbauten'. Da die in tiefere Felsen geschlagenen Räume (oder Gräber?) teilweise sogar über verwinkelte labyrinthische Architekturen verfügen, könnte es sich wirklich genausogut um feste Behausungen handeln. Aber für welche Menschengröße … ?

 

Merkwürdigerweise kommt niemand auf die Idee, solche Auskerbungen von Solitärfelsen für bronzezeitliche Kühlschränke oder Öfen zu halten. Das klänge immerhin genauso plausibel oder abstrus (je nach Einschätzung).

 

Außerdem fallen ab und zu die Begriffe 'Backofengräber', wenn man auf in den Untergrund getriebenen Schächte mit eiförmigen Kammern stößt. Diese Schächte wiederum werden mit sogenannten Mastabaas (Kammern unterhalb von Pyramiden) in Verbindung gebracht oder zumindest verglichen. Man hält sich jedenfalls bei einem Großteil der Fälle hartnäckig daran, hierfür Gräberbezeichnungen zu verwenden.

 

Gräber für Riesen oder Behausungen von Riesen erbaut?

 

Tomba di Giganti di Sa Domu 'e S'Orcu - interno tomba e falsa portaTomba di Giganti di Sa Domu 'e S'Orcu - facciata ( lato opposto )

 

Eines der Riesengräber Sa Domu e' S'Orcu auf Sardinien; Bildquellen: Prc90 (Eigenes Werk) [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

 

Ob dem wirklich so ist, kann uns in letzter Konsequenz niemand sagen. Dafür häufen sich die seltsamen Vorkommnisse antiker Überreste auf der Insel noch weiter. An anderer Stelle findet man nämlich auch lt. Volksmund sogenannte "Riesengräber" (Tombe dei Giganti). Davon soll es immerhin insgesamt 325 Stück auf der Insel geben. Die berühmteste ist wohl die Sa Domu e' S'Orcu, deren Struktur an eine Stierhornform erinnert. Das Wort existiert in unterschiedlichen Schreibweisen und bedeutet "Haus des Orku"– gemeint ist ein mythischer Menschenfresser. Immerhin zählen die Tombe dei Giganti zu den größten megalithischen Kultanlagen Sardiniens und gleichzeitig zu Europas größten Megalithanlagen. Nicht nur die rund 5-12 Tonnen schweren Basaltblöcke, die die Galerie des Grabhügels bilden, dürften hier noch Interessantes an Überraschungen bereithalten. Megalithische Strukturen wie die sardischen aus Basalt oder Granit, die teilweise auch schon mal turmhoch (sogenannte Turaghen-Türme) aufgesetzt wurden, sind vielleicht in Wirklichkeit auf für uns völlig ungewöhnliche Weise entstanden. Who knows …

 

Beachtlich ist außerdem, dass erste Funde menschlicher Kulturen auf Sardinien immerhin 200.000 Jahre zurückdatiert werden können. Wenn man sich also bei den merkwürdigen 'Feenhäusern' mal um ein paar Tausend Jahre (oder mehr) "vertut", macht man sich gegenüber gutgläubigen Touristen wohl kaum strafbar. Vielleicht ist das Ganze ja auch ausdrücklich so gewollt …

 

Die nachbarschaftliche, wenngleich mythologische, Koexistenz von Riesen und zwergenähnlichen Wesen kommt mir bekannt vor … vgl. auch >> Kaukasische Dolmen

 

 

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