© Spurensucher - 17. September 2017

Die Korkenzieher des Teufels

 

Korkenzieher (1)

 

Sie wurden in den 90er Jahren des 19. Jahrhundert entdeckt, als eine Expedition auf der Suche nach Fossilien in den Badlands von Wyoming Nebraska /Rocky Montuains über diese 15-30 Millionen Jahre alten Spiralen stolperten, die aussahen wie Bohrer.

Bis heute gibt es für diese Entdeckung keinerlei plausible Erklärungen. Einige von Ihnen sind immerhin knapp 5 Meter lang. Wissenschaftler sollten eigentlich einräumen, hierauf keine Antworten parat zu haben. Um Reben kann es sich dabei kaum handeln, da die Windungen zu symmetrisch sind. Auch die Theorie fossiler Würmer klingt eher an den Haaren herbeigezogen.

Aber zunächst nochmals zurück zur Geschichte:

 

Die verworfene Theorie des Süßwasserschwamm-Fossils

Im Jahre 1891 zog der Paläontologe Erwin Barbour durch die White River Badlands im westlichen Nebraska; eine Landschaft aus ausgedörrten Wiesen und langsam fließenden Bächen, die bunte Schichten von Sedimentgestein freigaben. Er war dort, um einen Fund  zu untersuchen, der einen lokalen Rancher seinerzeit in Erstaunen versetzte.

Nachdem er zur Fundstelle geführt wurde, gab sich Barbour genauso verwirrt wie der Rancher. Die Entdeckung bestand aus einem zwei Meter hohen Stein-Korkenzieher, der sich senkrecht in die Landschaft bohrte. Nie zuvor hatte Barbour etwas Vergleichbares gesehen.

Barbour, Leiter der Abteilung für Geologie an der Universität Nebraska nahm zunächst an, dass es sich dabei um das Fossil eines ausgestorbenen Süßwasser-Schwamms handeln müsse, dem er spontan die Bezeichnung Daemonelix oder "Teufels-Korkenzieher" (Legendenbezeichnung) verpasste.

 

Korkenzieher (3)

Ein paar Jahre später war er gezwungen, seine Schlussfolgerung zu überdenken. Andere Fossilien aus der Gegend passten nicht zu seiner Theorie, es hätte sich dort einst ein See befunden. Barbour entschied sich für eine neue Interpretation der Sachlage, nämlich, dass es sich bei Daemonelix um das erhaltene Wurzelsystem eines riesigen Baumes handele. Ein interessantes Beispiel, wie schnell Wissenschaftler aus dem Stegreif neue Erkenntnisse aus dem Hut zaubern. Das dürfte sich bis heute nicht großartig geändert haben.

 

Korkenzieher (2)

Die moderne Riesenbiber-Theorie

Auch heute wird die Wissenschaft nicht müde, sich auf die Suche nach ultimativen Erklärungen zu machen. Die (wie ich es nenne) "Bibertheorie" geht davon aus, dass es vor Urzeiten einmal Riesenbiber (Taufname: Palaeocastor) gab, die angeblich weder horizontal noch diagonal Höhlen bauten, sondern – man halte die Luft an – senkrecht. Mit anderen Worten: Die zum Teil filigrane Spiralarbeit sei das Werk von lotgerecht senkrecht arbeitenden Riesenbibern mit ausgeprägten Riesenzähnen, die sich seinerzeit auf diese Weise ihre Höhlenunterkunft bauten. Sie hätten sich in der nordamerikanischen Badlands während der Oligozän-Periode statt durch Holz durch die Erde genagt und korkenzieherförmige Höhlen und Tunnel gebaut. Angeblich fand man in der Nähe sogar Überreste von Knochen solcher Nagetiere bzw. Kratzspuren. (>> Quelle). 

Diese Tiere hatten angeblich kurze Schwänze, kleine Ohren und Augen, aber lange Klauen und ungewöhnlich lange Vorderzähne, die schnell wuchsen, um drohendem Verschließ entgegenzuwirken, der beim Graben auftrat. Man will uns weis machen, dass der grabende Biber seine Hinterfüße auf der Achse der Spirale fixiert und sich buchstäblich direkt in den Boden schraubt. Ein paar Meter unterirdisch, erstreckt sich eine Höhle mit mehreren Seitenkammern zum Schlafen und Aufzucht der Jungen. In einigen dieser Kammern soll es wiederum Senken für Wasser oder Latrinen gegeben haben. 

Die spiralförmige Natur des Bauwerks hätte dem Schutz vor Raubtieren gedient, die nicht nach unten kommen konnten, wie es bei einer  geraden Höhle der Fall gewesen wäre. Die spiralförmige Struktur hätte es dem Palaeocastor auch erleichtert, den Abraum zu beseitigen als bei einer senkrechten Struktur. Naja … Und dann waren die Tiere offenbar auch so schlau, dass sie die Luftzirkulation durch diese Spiralenanordnung bewusst mit ins Kalkül zogen bei ihrer Konstruktion.

 

Korkenzieher (4)

Abbildung der "Wurzel"

 

Korkenzieher (5)Tierische Ingenieurskunst

Diese Nager müssen mit einer unglaublichen Intelligenz und Präzisionsleistung gesegnet gewesen sein. Es wieder mal ein Appell an den gesunden Menschenverstand, hier nicht auf Anhieb alles für bare Münze zu nehmen, was sich die Wissenschaft aus den Fingern gesaugt hat (soweit zumindest meine persönliche Meinung). 

 

Zunächst einmal sei bemerkt, dass es offenbar zahlreiche dieser Relikte gibt, die durch die Verwitterung der Sandsteinformationen freigelegt wurden. Sie bestehen im Prinzip regelmäßig aus zwei Teilen, der "Schraube" und einer massiven "Wurzel". Die Korkenzieher sind aus Quarz. Die Theorie, dass es sich um fossile Pflanzen, Würmer, vorzeitliche Technologien oder anderweitige Möglichkeiten handeln könnte, wird offenbar erst gar nicht erwogen.

 

Gewiss, man hat das Fossil eines Bibers an einer dieser Wurzeln gefunden, das mag sein. Ob diese Struktur deshalb von ihm (dem Biber) deswegen erschaffen worden sein muss oder ob diese nicht schon vorher dort war, mag offenbar niemand hinterfragen.

 

1280px-Palaeocastor_fossor

 

(Abbildung: Wikimedia Commons, >> Quelle); Fundstück des Nagers, den man aus Sicht der Wissenschaft in flagranti erwischt hat.

 

Man muss nicht reflexartig an Außerirdische, Annunakis oder Haaren von Riesen denken, um Paralleltheorien aufzusetzen. Ich bin diesbezüglich – was die endgültige Antwort auf dieses Phänomen anbelangt – nicht unbedingt voreingenommen. Mich wundert jedoch, dass die Wissenschaft nach 80 Jahren Stille plötzlich mit einer "Erklärung" daher kommt, die für mich nicht plausibel klingt. Ich frage mich: Hat man keine genauere mikroskopische Analyse des Materials vorgenommen? Mir ist jedenfalls nicht darüber bekannt. 

 

Wo ist der Korkenzieher für meine Flasche Wein? 

 

P.S.: Heute kann man vereinzelte Korkenzieher im Agate Fossil Beds National Monument am Niobrara River im nordwestlichen Nebraska bestaunen.