Spurensucher - 16.07.2016
Quelle: T-Online/ Pravdareport - Bildquelle: Fotolia

Ukrainisches Seemonster auf Landgang?

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Zur Abbildung: Ein Dakosaurus jagt einen Dunkleosteus (dies ist bestenfalls eine "andeutungsweise" Darstellung der Sichtung in der Ukraine und kann den Beschreibungen NICHT gerecht werden; Quelle: Fotolia)

 

Seeungeheuer machen ja seit Loch Ness in der Systempresse immer mal wieder die Runde. Die abwechselnd leicht amüsierte, teils überhebliche Berichterstattung wird niemals müde, die Diskreditierung von Zeugenaussagen auf hoher Flamme kochen zu lassen, wenn gerade mal nichts Besseres ansteht. Damit wird einerseits das Sommerloch der Gazetten und Fernsehsender gefüllt, andererseits aber auch kein Zweifel darüber gelassen, dass sich das irgendwelche Spinner vor Ort selbst zuzuschreiben haben, wenn man über sie berichtet. Spärliches Fotomaterial hält für gewöhnlich keiner Untersuchung stand, weil reflexartig "Fake" gerufen wird und Zeugen, die nicht schnell genug mit der Kamera waren (sofern sie eine dabei hatten), ohnehin nichts vorweisen zu können.

 

OK, verschluckt – War's das dann?

 

Manchmal wird jedoch auch der Mainstream (Quelle http://www.t-online.de/nachrichten/panorama/tiere/id_69789888/mysterioeses-seemonster-verspeist-weisser-hai-.html) aufmerksam, wenn wieder einmal etwas unter der Wasseroberfläche passiert, was sich niemand erklären kann. Wie gut, dass die Aufnahmekapazität der Menschen (was besondere Meldungen anbelangt), schnell erschöpft ist und sich die meisten nach mehrmaligem Nachfragen lediglich "dunkel" daran erinnern können, dass da mal was war … Ach ja, 2014 gab's ja auch mal was im Sommer. Da war dieser weiße Hai, der mit einem Sender versehen war und plötzlich vor Australien's Küste verspeist wurde. Schwuppdiwupp wurde der Hai in 580 Metern Tiefe "kielgeholt". Seine Körpertemperatur stieg in Nullkommanix von 7 auf 25 Grad und selbst die üblicherweise skeptischen Wissenschaftler konnten nicht umhin, zuzugeben, dass der große weiße Hai wohl im Magen eines anderen Tieres gelandet war. Das ominöse Smithsonian Institute tönte lautstark, den aufsehenerregenden Fall unter dem Titel "Die Jagd auf den Superraubfisch" filmisch dokumentieren zu wollen. Interessierte (und das sind leider nur die wenigsten bisher) konnten der vollmundigen Ankündigung keine Taten folgen sehen, denn auch bis heute googelt man vergeblich nach einer besagter Dokumentation. Solche Ausrutscher des Mainstreams werden erfahrungsgemäß sehr schnell unter den Teppich gekehrt, nachdem sie versehentlich aufgegriffen wurden (dem Sommerloch sei Dank). Wer allerdings mehr darüber weiss und meine Recherchen an diesem Punkt nur ungenau waren, möge sich gerne unter kontakt@spurensucher.eu melden.

 

"Loch" Somyne – Sichtungen ohne Sender

Aus der Ukraine – wie ohnehin weite Teile des russischen oder asiatischen Raums – verirren sich weitaus seltener als hierzulande (was praktisch auch kaum vorkommt) Meldungen in den Blätterwald, die mysteriöse Sichtungen unter oder knapp oberhalb der Wasserfläche betreffen. Außerhalb der politischen Debatten, die das gebeutelte Land betreffen, scheint es dort kaum Interessantes zu geben. Zumindest suggeriert uns das der westliche Mainstream. Und dennoch: Merkwürdige Geschichten - wie seinerzeit auch die mit dem weißen Hai - kommen dort offenbar auch vor. Die russische Allerwelts-Zeitung Pravda berichtete 2007 in einem Artikel darüber, dass im westukrainischen Somyne See ein riesiges Seemonster sein Unwesen treiben soll. Beschreibungen von Zeugen nach soll es den Körper eines Krokodils und den Kopf einer Schlange (oder zumindest schlangenähnlich) gehabt haben. Während es weitestgehend gründelnd am Boden des Sees vermutet wird, lässt es sich ab und zu auch am Ufer blicken, wo es seinerzeit regelmäßig über Nutzvieh oder Haustiere herfiel. Auch Menschen nahegelegener Dörfer sollen der Kreatur zum Opfer gefallen sein. Nachts vernimmt man vom See her mitunter wohl auch ein Jammern und Stöhnen, dass die Einwohner mit dem Wesen in Verbindung bringen. Es gilt allerdings zu erwähnen, dass zumindest laut Medienmeldungen seit 30 Jahren keine neue Sichtung mehr dort aufgetreten ist. Davor erfreute sich das Wesen jedoch einer längeren Tradtion. Ein 84-jähriger erinnert sich vor Ort daran, dass es die Geschichte um einen Stallknecht – Stepan – gab. Dieser hatte wohl etwas zu viel getrunken und weidete sein Pferd nahe des Somyne Sees, als er sich für ein Nickerchen zurückzog. Nachdem er sich auf dem Gras ausgestreckt hatte, schlief er kurz darauf ein. Pilzsammler entdeckten eine bizarre Szenerie, als sie die Stelle betraten, wo sich Stepan ausgestreckt hatte. Das besagte Seemonster schien ihn gerade zu beschnüffeln und sich zu überlegen, ob es sich lohnen würde, den Mann zu verschleppen oder gleich an Ort und Stelle zu verschlingen. Das aufgerissene Maul des Monsters schien nach Aussage der Zeugen keinerlei Zähne vorzuweisen. Jedenfalls retteten die Pilzsammler dem Ruhesuchenden im letzten Moment das Leben.

 

Die Geschichten um das Somyne Seemonster gehen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Einer der Dorfvorsteher sandte offenbar einen Bericht nach Warschau, in dem die Absichtserklärung der Einwohner verbrieft wurde, keinerlei Steuern mehr für den Fischkonsum zu zahlen. Darin war von einer Seeschlange die Rede, die im See sämtliche Fische frass sowie die Bevölkerung und deren Vieh terrorisiere. Offenbar machten sich die Behörden seinerzeit ihre Gedanken und planten bereits eine Expedition, um der Sache am Somyne See buchstäblich auf den Grund zu gehen. Der erste Weltkrieg machte allerdings den Bemühungen einen Strich durch die Rechnung. Erstaunlicherweise interessierte sich auch die deutsche Wehrmacht für das Phänomen: Während des 2. Weltkriegs sandten sie Taucher mit entsprechender Ausrüstung und Netzen zum See. Leider kam bei der Sache jedoch nichts heraus (lt. Gazeta Poukrainski). Wie so üblich, meldeten sich unterschiedlichste Wissenschaftler später zu Wort. Die einen behaupteten, es handele sich dabei um einen monströsen Wels, der immerhin bis zu 130 Kilo Gewicht und bis zu 2,70 Meter groß werden kann. Die anderen sehen darin die Möglichkeit, dass ein Süßwasserhai seit der letzten Eiszeit dort überlebt haben könnte. Immerhin gab es in den umliegenden Dörfern offenbar schon mehrere Funde von versteinerten Fisch- oder Knochenresten, die Einwohner in ihren Gärten fanden (lt. Aussage von Valentin Volontai / Archäologisches Institut der ukrainischen wissenschaftlichen Akademie). In den Niederungen der Region soll sich demnach vor der Eiszeit ein riesiges Süßwassermeer befunden haben, von denen der Somyne See einer von mehreren (etwa 300) übriggebliebenen Seen ist. Die Bevölkerung dort spricht von Karsthöhlen auf dem Seegrund, in denen sich ein solches Wesen gut verstecken könnte. Der Somyne See ist 56 Meter tief. Polnische Wissenschaftler wollen sich erneut der Sache annehmen. Entweder sind sie zwischenzeitlich fündig geworden, ohne jemanden zu informieren oder es ist bis heute bei reinen Absichtserklärungen geblieben. Neuere Meldungen sind jedenfalls in der Sache (vorläufig) nicht bekannt.


Das Ganze erinnert mich irgendwie an die Geschichte mit dem gefressenen weißen Hai. Warum gibt es keine Fortsetzung des investigativen Journalismus in der Systempresse? Wieder mal Fehlanzeige. Die interessante Geschichte bzw. Berichterstattung reisst einfach ab – anschließend kommt nichts weiteres zum Thema. Aber bitte belehrt mich eines Besseren …