Wer baute hunderte Kilometer lange Kanalstrecken in Lousiana?

Bayou Piquant Wetlands

Photo by © Ken Lund - see Link, Flickr; (Licence CC BY-SA 2.0)) - Bayou Piquant Wetlands, St. Charles Parish, Louisiana

 

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Ein feines Raster gerader kilometerlanger Wasserstraßen zieht sich durch die Sümpfe Louisianas. Zahlreiche Trassen davon gehen rechtwinklig ab. Natürlicher "Zufall"? Die geraden Wasserstraßen mit den zum Teil rechtwinkligen Abgängen sind markiert. Quelle: Google Maps

 

Ein Youtube-Beitrag weckte neulich meine Aufmerksamkeit, als jemand das Thema Kanäle in Louisiana zur Sprache brachte. In der Tat gibt es dort aus großer Höhe betrachtet gradlinige Wasserstraßen, die die breiten Ströme der Umgebung kreuzen. Der Atchafalaya River ist ein guter Anhaltspunkt: Als Seitenstrom des Mississippi mäandert er typisch für einen Fluss durch die Auenlandschaft. Westlich davon gehen jedoch Wasserstraßen ab, die keinerlei Kurven ziehen sondern schnurgerade verlaufen.

 

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Quelle: Wikimedia (Link)  

  

Weniger aus der Luft gegriffen als vielmehr aus der Vogelperspektive betrachtet wirken diese wie ein Netz aus hunderten Kilometer langen Wasserstraßen. Besondere Merkmale: Sie verlaufen manchmal über zig Kilometer hinweg schnurgeradeaus durch die Landschaft. Von ihnen gehen dann häufig rechtwinklige Kanäle ab, von denen nicht selten – einem Straßennetz gleich bzw. wie auf einem Reißbrett geplant – erneut im 90-Grad-Winkel Flussläufe abgehen und weiter geradeaus verlaufen.

 

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Gerade, rechtwinklige Wasserstraßen; Quelle: Google

 

Ein Besucher schreibt: "Ich hatte die Gelegenheit, durch die Bayous zu fahren..... Sie sehen so aus, als wären sie einer Art "Reset" zum Opfer gefallen... es gibt alte Häuser / Viertel, die aussehen, als wären sie nicht auf einmal überflutet worden....und die Kanäle sind umfangreich.... Ich habe ein Atom-U-Boot in einem der Kanäle gesehen.....ungelogen". 

 

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Sieht aus wie ein Straßen- oder Hafennetz; Quelle: Google

 

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OK, hier handelt es sich um eine subjektive Meinung von jemandem, der sich an Ort und Stelle ein Bild gemacht hat. Ob seine Phantasie mit ihm durchgegangen ist oder nicht, sei mal dahingestellt, aber womit haben wir es hier zu tun? Offiziell sind Bayous zunächst einmal Seitenarme größerer Flüsse.

 

Ein anderer schreibt: "Das sind Kanäle, die für Pipelineschiffe und Ölbohrgeräte ausgehoben wurden. Früher habe ich Karten für einen Ölfeldvermesser gezeichnet, um Brunnen und Pipelines zu lokalisieren, und die Karten wurden zum Graben der Kanäle verwendet. Suchen Sie nach Pipeline-Kanälen im Süden Louisianas. Außerdem ist ein Portage kein Wasserweg, es ist ein Weg des Trockenlandes zwischen zwei Gewässern. Es kommt vom lateinischen Wurzelwort portus, was "tragen" bedeutet."

Diese Ansicht ist ebenso unbestätigt, da auch technisch gesehen so etwas ohne weiteres bzw. in solchen Dimensionen nicht unbemerkt zu bewerkstelligen ist. Jemand anderes schreibt:

"Schauen Sie sich die zwischen den Küsten liegende Wasserstraße an, die die gesamte Ostküste umspannt und den Mississippi hinaufführt. Ich untersuchte vor ein paar Jahren dasselbe … da Bagger, die in der Lage waren, so viel Material in der Zeit zu bewegen, in keinem Fall all diese Kanäle in den letzten 100 bis 150 Jahren ausgehoben haben können. Sie müssen ständig ausgegraben werden, damit sie sich nicht mit Schlamm füllen."

 

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Wikimedia Commons (Link); "Louisiana Bayou" von Joseph Rusling Meeker, 1866

 

Zur Beschwichtigung finden sich jedoch immer wieder neue Argumente. Jemand anderes hat "einen Herrn an der LA State University kontaktiert. Und … NEIN - es scheint keine alte Kultur zu sein, sondern die Wirkung, die die Ölgesellschaften auf die Umwelt ausüben. Sie graben die Kanäle, um ihre Ausrüstung zum jeweiligen Standort zu transportieren. Diese erodieren dann und führen zu weiteren Landverlusten. Er schätzt das Ganze auf über ein Fußballfeld pro Tag. Bisher haben sie durch diese Praxis Tausende von Quadratkilometern verloren. Der Staat wird damit buchstäblich lebendig aufgefressen.…" 

 

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Eine verlassene Bohranlage in der Bayou-Segnette, etwa 5 Meilen von der öffentlichen Bootsverladung in Westwego. Quelle: Wikimedia (Link). Das Foto ist von 1972. Will man etwa einen solchen Wasserweg verbreitert, begradigt oder gar komplett neu erschlossen haben? Halte ich für ausgeschlossen. Und hier handelt es sich noch um eine äußerst schmale Route. Nur, damit man mal einen Eindruck von den technischen Möglichkeiten dieser Zeit bekommt …

 

Können wir uns dieser Meinung wirklich anschließen? Mir persönlich leuchtet das nicht so recht ein – gehen "Natur"-Kanäle mit der Zeit automatisch und vor allem gleichmäßig in die Breite, sofern es sich überhaupt um Kanäle der letzten 50-100 Jahre handelt? Mit welcher Technologie sollen diese denn eigentlich entstanden sein? Es gibt dort Kanäle, die bei etwa 30-60 Metern Breite liegen und bis zu 20 Meter tief sind. Welche Schwimmbagger sollen so etwas geleistet haben …? Die Bagger haben Mühe, unter kontrollierter Aufsicht der Bevölkerung überhaupt Pipelines in dem Gebiet zu verlegen (>> Quelle), (>> Quelle). Wer sollte das in den letzten 100 Jahren nicht bemerkt haben, wo soll denn bitteschön da der Abraum hingekommen sein und mit welcher Technik. Klingt jedenfalls mal wieder nach einer völlig unsubtantiierten Totschlag-Behauptung. Historische Aufzeichnungen hierüber - Fehlanzeige.

 

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Lange gerade Wassertrassen neben "normal" mäandernden Flussläufen; Quelle: Google

 

Hier ein Zitat aus einer der Quellen im Streit zur Verlegung einer Pipeline: "Im vergangenen Jahr hatte die Koalition der Gegner der Bayou-Brücke denselben Richter gebeten, den Bau zu unterbrechen, da die Genehmigung des Army Corps of Engineers für die Pipeline unzureichend war und das Unternehmen Pläne hatte, alte Zypressenbäume mit einem Alter von bis zu 1.000 Jahren durch kleinere, jüngere Bäume zu ersetzen." Wir haben es hier also mit einer uralten Landschaft zu tun, in dem Rotluchse, Alligatoren, Nutrias , Weißkopfseeadler und mehr als hundert Fischarten im Atchafalaya-Becken vorkommen, das größer, wenn auch weniger bekannt ist als die Everglades in Florida.

 

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Üppige, uralte Landschaften säumen die Bayous; Quelle: Wikimedia (Link)

 

Der Begriff Bayou kommt aus dem Indianischen und lautet "kleiner Strom". Als die französischen Siedler sich einst stromaufwärts bewegten, erhielten immer mehr Wasserstraßen der Gegend den Namenszusatz Bayou. Statt "kleiner Strom" wurde die Definition des Begriffs später in "sumpfige Gewässer" umgedeutet.

 

Interessanterweise gibt es keinerlei Hinweise über die Entstehung solcher offensichtlich künstlicher Wasserstraßen. Bislang hat sich auch  vermutlich noch nie jemand ernsthaft dafür interessiert. In einem Umgebungsführer heisst es: "Genießen Sie die Schönheit von Bayou Portage Guidry und seine beeindruckende Umgebung. Beachten Sie, dass diese Anlage über 800 Jahre alt ist. Mit Einbaumkanus und Pirogen nutzte man den Bayou Portage Guidry als wichtigen Transportweg als Zugang zur Gegend. Der Transport war eigentlich eine Abkürzung für die Reise zum Atchafalaya-Becken." (>> Quelle)

 

Die nachstehenden Screenshots verdeutlichen nochmals die Gradlinigkeit und die teilweise Häufung der symmetrischen Wasserstraßen. Manchmal vermittelt die Situation den Eindruck, als hätte man es mit einer Hafenanlage oder einem Städtegrundriss zu tun. Quelle: Google Maps

 

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Sofern wie in diesem Beispiel den Offiziellen bekannt ist, dass diese künstlichen Transportwege 800 Jahre alt sind, wer soll sie dann gebaut haben?

 

Wie so häufig gibt es bei solchen lapidaren Äußerungen der Wissenschaft Gründe, am Wahrheitsgehalt zu zweifeln. Das Thema der ungeklärten künstliche Wasserstraßen, die aus großer Höhe sogar unter Wasser gefunden werden, betrifft auch noch weitere Stellen des nordamerikanischen Kontinents. Bei meinen Recherchen bin ich unter anderem auch auf John Jensen gestoßen, der mindestens 60 solcher Örtlichkeiten mit merkwürdigen Mustern ausgemacht hat. Die Gegend um Louisiana ist also kein topografischer Einzelfall. Er recherchierte Unterwasserstraßen im Küstenbereich, die mitunter nur 2 Meter unter dem Meeresspiegel liegen und aus großer Entfernung symmetrische Muster ergeben. Er geht davon aus, dass für 5 - 7.000 Jahren der Wasserspiegel drastisch stieg und damit alte menschgemachte architektonische Strukturen überflutet wurden.

 

 

Mich wundert bei dieser Sache immer weniger, dass der historische Name dieses Bundesstaates ursprünglich einmal Acadiana hieß. Mag sich jeder seinen eigenen Reim darauf machen …