© Spurensucher - 29.03.2020

Die patagonischen Riesen des Dr. Cook

 

Cook-patagonische Riesen

Der Größenunterschied zwischen Frederick Albert Cook und seinen Fotomodels auf der Belgica-Expedition regt zum Nachdenken an.

Quellen: Bulletin of the American Geographical Society of New York, Volume 23, by American Geographical Society of NY, p. 260 and Popular Photography Magazin. Ziff-Davis Publishing; Chicago.

 

Der Wissenschaftler und Entdecker Frederick Albert Cook (* 10. Juni 1865 in Hortonville, New York; † 5. August 1940 in New Rochelle, New York) begleitete die Belgica-Expedition 1897-99 in die Antarktis. Mit von der Partie war auch der spätere Südpolentdecker Roald Amundsen, der von Cook theoretische und praktische Grundlage über die Polarforschung erhielt. Beide waren eng miteinander befreundet. Im Zuge der Antarktis-Expedition kam es zwar auch zu einigen Pannen und Verlusten, u. a. hauptsächlich deswegen, weil das Schiff 377 Tage im Packeis fest hing und sich die Mannschaft nur durch einen glücklichen Umstand daraus befreien konnten. Cook betätigte sich auf der Expedition als Schiffsarzt, Fotograf und Konfliktschlichter.

 

Die Belgica im Packeis; Bildquelle - daneben Dr. Frederick Albert Cook; Bildquelle

 

Belgica_schiff Frederick_Cook

 

Auf ihrer Hinfahrt passierte die Expedition auch das Gebiet der Ona Indianer (offizielle Bezeichnung Selk'nam) auf der Inselgruppe Feuerland. Dr. Cook konnte dem Reiz nicht widerstehen, von einigen von ihnen Fotos zu machen. Diese ethnische Volksgruppe, die kurz darauf von Einwanderern der Isla Grande, vorzugsweise Schafzüchtern, Goldsuchern und Missionaren, rücksichtslos ausgerottet wurde, war mit ihrer rauen Umgebung sehr vertraut. Viele von ihnen galten nicht nur gemeinhin als hochgewachsen, sondern der gesamte Stamm zeichnete sich durch lose Fellbekleidung und zum Teil auffällige Körperbemalung aus. Zumindest existieren hierüber einige Fotos (s.u.). Heute soll es laut Wikipedia nur noch eine Person geben, die die Orginalsprache der Selk‘nam (Ona) überhaupt noch sprechen kann. Der letzte Ureinwohner bzw. die letzte Person der Abstammungslinie soll 1974 gestorben sein.

 

Liebten Felle und bemalte nackte Haut: Die Selk'nam aus Feuerland wurden Opfer eines fürchterlichen Genozids. Bild-Quelle

 

Patagonian dress II  

 

Die Selk'nam entwickelten trotz des schwierigen Umfelds, in dem sie lebten, ein paganes System aus Gottheiten, Riten und Glaubensvorstellungen mit magischen Gewohnheiten. Eine dieser Riten ist die sogenannte "Hain"-Zeremonie – die Initiation des Erwachsenenwerdens. Hauptteilnehmer waren die Geister, die von bemalten und maskierten Männern verkörpert wurden. Diese Zeremonie dauerte mehrere Tage und sollte den 18-jährigen männlichen Eingeweihten von der Welt der Kinder und Frauen trennen, um anschließend als Mann heim zu kehren. Sie kannten bereits das Geheimnis der Männerwelt und wurden durch Erniedrigung, Leid und Hunger abgehärtet.

Die Zeremonie lehrte sie, Frauen und Ältere zu respektieren, den Ausgang der Jagd zu teilen, das Schlimmste zu verhindern, großzügig und verantwortungsbewusst zu sein und für seine (zukünftige) Familie zu sorgen.

Solche Zeremonien sind weltumspannend gemeinsamer Nenner der traditionsreichen Ureinwohner vor der Christianisierung und Vergewaltigung. Es ist immer wieder beeindruckend zu sehen, wie überaus klar und einvernehmlich sich diese Traditionen bis in die entlegendsten Winkel der Welt "herumgesprochen" haben.

 

Bildquelle

 

ceremonia de hain, keternen y xalpen

 

Gigantologenforscher Micah J. Ewers hat sich nach Maßgabe des nachstehenden Fotos von Cook und von zwei Selk’nam sowie der Kenntnis von Cook’s Größe ausrechnen können, dass die beiden Ona Indianer (heute laufen sie unter Selk'nam), die links und rechts von ihm stehen, außerordentlich groß waren. Cook maß 1,77 Meter und lt. Pixeluabstandsmessung war die Person zu seiner Linken 2,11 m bzw. die Person zu seiner Rechten 2,16 m groß. Wenn man weitere Bilder von außergewöhnlich hochgewachsenen Menschen sehen möchte, die Cook getroffen und fotografiert hatte, empfiehlt sich die Library of Congress (Link). Die beiden weiteren nackten Personen, die Cook nackt fotografierte, wurden 1938 in Popular Photography Magazine veröffentlicht und wurden in ähnlich ausgefallener Größe beschreiben (wenngleich man sie deshalb nicht zwangsläufig als „Riesen“ bezeichnen kann).

 

658px-Fitz-Roy_Patagonian

Es gab neben den Selk'nam auch andere Stämme in der Region Feuerland's, die sehr hochgewachsene Menschen (Bildquelle) hervorbrachten. Die Geschichten und Dokumentationen gehen selbstverständlich zeitlich weiter zurück, doch Cook brachte zumindest auch erste Fotos mit nach Hause. Unter Rare Historical Photos findet man Beispiele, wie Selk'nam zu sogenannten Weltmessen verschleppt wurden, um sie dort zur Schau zu stellen. Diese armen Sklaven sind allerdings alles andere als hochgewachsen.


Der österreichische Missionar und Wissenschaftler Martin Gusinde (1886-1969) unternahm vier Forschungsreisen nach Feuerland, einer Inselgruppe an der Südspitze Südamerikas. Während seiner Aufenthalt durfte er an sonst geheimen Zeremonien der Feuerlandindianer teilnehmen und gewann tiefe Einblicke in die Kultur der Selk'nam, Yámana und Halakwúlup. Mit seinen monumentalen ethnografischen Publikationen und den rund 1000 Fotografien, die er mit einer Plattenkamera schoss, schrieb er Anthropologiegeschichte. Sein Buch: Begegnungen auf Feuerland : Selk'nam, Yamana, Kawesqar ; Fotografien von Martin Gusinde 1918 - 1924. Der Bildband ist mittlerweile aber auch nicht für unter 80 $ erhältlich.

 

Mir ist klar, dass Leute wie Byron, Drake (genaugenommen Francis Fletcher) und Magellan bereits vorher schon große Menschen in Patagonien vorfanden, die für Aufmerksamkeit sorgten und als Riesen bezeichnet wurden. Das möchte ich aber in diesem Beitrag hier nicht geich mit behandeln, ebensowenig allzu voreilige Schlüsse hinsichtlich vermeintlicher Übertreibungen ziehen. Mehr darüber aber zu einem anderen Zeitpunkt.