© Spurensucher - 22.06.2020

Die Hexenhütte im Baskenland

 

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Der Dolmen "Die Hexenhütte" in idyllischer Atmosphäre vor einem Sonnenuntergang.

 

Begoña Maria© Copyright Foto: Begoña Maria Marquinez (links im Bild); mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung exklusiv für den Spurensucher!

 

 

Idyllisch und geheimnisvoll zugleich: Dieser baskische Dolmen mit der Bezeichnung La Txabola de la Hechicera (auf Baskisch: Sorginaren Txabola; Deutsch: Hexenhütte) erst im Jahre 1935 von Álvaro de Gortázar in einem sehr guten Erhaltungszustand entdeckt (so heisst es zunächst). Nach offiziellen Aussagen erforschte ihn Jose Miguel Barandiaran und fand bei Ausgrabungen zwei Steinschneider, eine polierte Axt aus Ophit, Keramikfragmente und menschliche Überreste.  Die Fundstücke befinden sich im Archäologischen Museum von Laguardia, Araba, weitere Artefakte befinden sich im BIBAT in Vitoria/ Gasteiz, Araba. BIBAT ist ein archäologisches Museum, das die archäologischen Überreste sammelt, die an den verschiedenen untersuchten Orten in der Umgebung von Alava gefunden wurden.

 

Die zerbrochene Deckenplatte bestand aus drei Teilen, wurde aber restauriert (s.u.) und wieder in ihre ursprüngliche Position gebracht.

 

Man brauchte nach der Erstentdeckung nochmals rund 80 Jahre, um diesen Ort erneut einer Inspektion zu unterziehen. Zwischen 2010 und 2014 führten Javier Fernández Eraso und José Antonio Mujika Alustiza, Professoren der Universität des Baskenlandes, im Auftrag der Direktion des Dienstes für Museen und Archäologie des Provinzialrats von Alava Ausgrabungen und Studien durch. Der "Grabhügel"  wurde unter Beibehaltung der ursprünglichen Technik rekonstruiert, bei der die Steine zusammengefügt wurden, damit sie hielten, ohne dass eine weitere Unterstützung aus großen Steinen hinzufügen zu müssen. Am Eingang, vor dem Gang, der zur Grabkammer führt, glaubte man einen Ritualraum identifiziert zu haben.

 

Offenbar ging der Entdeckung noch eine weitere voraus, was zunächst irreführend, gleichzeitig aber auch erhellend ist: Bevor dieser Dolmen unter anderem von dem bedeutenden Archäologen und Anthropologen Jose Miguel de Barandiarán ordnungsgemäß katalogisiert wurde, fand ihn 1879 Federico Baraibar, so dass man ihn 1889 von Julián De Apraiz, einem bedeutenden Forscher aus Alava, ausgrub. Das erklärt auch, warum man ihn lange vorher nicht fand. Vielleicht grub ihn nicht aus, sondern demolierte damals einen vollständigen Cairn.

 

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Auf dieser Aufnahme sieht man, wie diese deutlich erhöht liegende Anlage von einer Unzahl kleinerer Felsen umgeben ist. Sieht nach der Außenhaut eines ehemaligen Cairns aus. Vielleicht handelte es sich eher um einen Abriss, als um einen ausgegrabenen "nackten" Dolmen, wie wir ihn heute in dieser Form sehen. Der Begriff "Ausgrabung", wie man ihn im 19. Jahrhundert/Anfang des 20. Jahrhunderts verwendete, bekäme unter diesen Umständen auch gleich eine ganz neue Bedeutung. Da megalitische Bauten in der Regel bereits ab dem Mittelalter von der katholischen Kirche dämonische oder hexenbezogene Namen bekamen, scheint dieser Ort der Kirche auch schon weitaus länger bekannt gewesen zu sein. Ich persönlich zweifle deshalb an, dass man diesen Cairn oder Dolmen (vermutlich ersterer) nicht schon vorher kannte. 

Bildquelle: Theklan, Bilar -Sorginaren Txabola - 5, CC BY-SA 4.0

 

Ob die heutige Form wirklich noch ursprünglich ist, lässt sich vermuten oder aber auch anzweifeln: Drei große vertikale Steine tragen (zumindest heute) die große horizontalen flachen (vermutlich reparierten, aber vielleicht auch nicht originalen) Deckenplatte. Neun große Steine bilden einen Gang oder eine Kammer in polygonaler Form. Wie auch in anderen Fällen, wird hier vehement von einer Grabstelle ausgegangen. Dieser Theorie schließt sich auch die Fotografin an. Die Großeltern von Begoña Maria hatten vor einigen Jahren diese Aufnahme gemacht.

 

Ich stehe dieser Einschätzung skeptisch gegenüber bzw. möchte mich dieser Bestimmung auf der Grundlage der gefundenen Artefakte aus bekannten Gründen nicht spontan anschließen.

 

Diese exponierte Stelle, die sicherlich nicht zufällig gewählt wurde, ist irgendwann einmal eine Reise wert. Die Energie an diesem Ort kann man bestimmt spüren.