© Spurensucher - 08. September 2016
Diverse Quellen (s. Beitrag)

Platte mit Sprung: „Out-of-place“-Artefakt

 


In den letzten Jahrzehnten kam es zu einer stetig wachsenden Zahl archäologischer Entdeckungen, die wegen ihrer geheimnisvollen und höchst kontroversen Zuordnung als „Out-Of-Place" (kurz: „OoParts“) Artefakte bezeichnet werden.

 

Dabei handelt es sich um Objekte, die entgegen einer ursprünglichen wissenschaftlichen Auffassung an der falschen Stelle gefunden wurden. Mitunter werden solche Artefakte beispielsweise in geologischen Schichten gefunden, wo sie nach Ansicht der Mainstream-Wissenschaft eigentlich gar nicht hin gehören, weil die Altersbestimmung der Erdschichten zeitlich viel zu weit zurück reicht.  


Solche Funde in geologisch sehr alten Schichten geben mitunter nicht-traditionellen Wissenschaftsanhängern den Beweis für eine Epoche „menschlicher“ Individuen, deren technische Finessen weit über den erfinderischen Möglichkeiten uns bekannter alter Völker lagen und darum Anlass für neue Spekulationen liefern. Ob dem immer so ist, ist dem jeweiligen Einzelfall vorbehalten. 


Da man immer wieder auf Artefakte stößt, die die orthodoxe Wissenschaft im Grunde verblüffen und mitunter Hinweise auf alte – teilweise technologisch hochentwickelte – Kulturen liefern, sollte man diese auch häufiger in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken. 

Allerdings ist eine Gefahr, die von Fälschungen ausgeht, auch nicht von der Hand zu weisen. 


Die genetische Scheibe

Zu den „OoParts“ gehört beispielsweise eine 22 cm große gravierte Scheibe aus Bogota (Kolumbien), die ein Gewicht von ca. 2 Kilo und ein Loch in der Mitte hat und offenbar zum Besitz eines "Professors" Jaime Gutierrez Lega (Industriedesigner, Architekt und Hobby-Archäologe) aus Bogota (Kolumbien) befindet. Man muss zugeben, dass ein konkreter Fundort dieses Stücks an dieser Stelle nicht nachzuweisen ist. Nach Aussage von Gutierrez Lega hat er diese Scheibe von einem Schatzsucher oder Grabräuber erworben. Das teilte er offenbar wohl auch schon früher (1982) Erich v. Däniken mit (zumindest hatte dieser davon Kenntnis). Angeblich habe der „Schatzsucher“ das Stückk auf seiner Finca beim Verlegen einer Wasserleitung gefunden. Eine Geschichte ohne echten Anfang … So weit, so schade … 

 

Beidseitig bespielt: Noch offene Fragen zum Material?

 

Sie besteht angeblich aus schwarzem Hartgestein – einem Material, das nahezu dem Härtegrat Granit entspricht; wird an manchen Stellen behauptet. Allerdings gibt es grundsätzliche Unterschiede der beiden Gesteinssorten, was sich auch auf die Bearbeitung des Materials auswirken kann – unabhängig davon, was es denn nun ist. Angeblich soll eine Gravur selbst mit heutigen technischen Mitteln in der vorliegenden Form jedenfalls nicht möglich sein.  


Dr. Vera M. F. Hammer (>> http://www.nhm-wien.ac.at/vera_m_f_hammer / Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Leiterin der Mineraliensammlung, Leiterin des Staatlichen Edelsteininstitutes am naturhistorischen Museum in Wien), soll ebenfalls ein Statement abgegeben haben. Auch hier gibt es widersprüchliche Quellen.

Die eine Quelle behauptet, sie habe nach entsprechender Analyse Verwitterungsspuren an der Scheibe festgestellt (worüber man aber bis heute nichts Schriftliches finden kann). Die andere Quelle behauptet, Frau Dr. Hammer hätte über eine wie auch immer geartete Analyse nachgewiesen, dass es sich dabei lediglich um ein Feldspat-/Quartz-/Glimmer-Gemisch handelt.

Eine Altersbestimmung ließe sich hier angeblich nicht vornehmen.

Bedauerlicherweise liegen hier weder klare schriftliche Statements noch Prüfzertifikate vor. Genauso gut könnte diese Scheibe ein Replikat oder modernes Kunstwerk sein. 

Spätestens an dieser Stelle muss man die Mutmaßungen über Altersdatierungen wohl noch eine Weile zurückstellen, solange der Besitzer nicht gewillt ist, Fundort oder wenigstens einen eindeutigen Materialnachweis zu erbringen.

 

Ich habe Frau Dr. Hammer zwischenzeitlich angeschrieben und mit ihr telefoniert: Die Materialbeschaffenheit dürfte jedenfalls nicht länger das Thema von Gerüchten sein. Sie schrieb mir heute: "… röntgenographisch wurden damals die Mineralien Feldspat, Quarz und Glimmer bestimmt. Mein damaliger Chef Dr. Robert Seemann, der die Petrographische Sammlung über hatte, hatte das Gestein als Lydit angesprochen, ein Gestein, dass eben hauptsächlich aus diesen drei Mineralien besteht."

Da mich die Aussage noch immer nicht 100%-ig zufriedenstellte, hakte ich tel. nochmals nach. Da ich kein reinrassiger Mineraloge bin, interessierte ich mich dafür, ob ich der Aussage entnehmen könnte, ob beides dasselbe ist. Ich fragte sie und sie teilte mir mit, dass die Kombination aus Feldspat, Quarz und Glimmer die Grundlage für Lydit sein KANN, aber nicht MUSS. Es hinge vom Mischungsverhältnis und der Komposition ab, sprich: die Anteile aller 3 Komponenten müssten dann in einem entsprechenden Verhältnis zueinander stehen, um der Definition von Lydit zu entsprechen. Meine Frage, ob dies getestet wurde, um zweifelsfrei Lydit als Gesamtmaterial-Komposition anzunehmen, verneinte sie. Getestet wurde es seinerzeit nicht auf das entsprechende Mischungsverhältnis. Das Ergebnis käme diesem Lydit jedoch in jedem Falle nahe. Sie verwendete dafür auch die Begrifflichkeiten "körniges Gestein" und "schwarzer Tonschiefer". Man könne diese Scheibe auch materiell als "schwarzen Tonschiefer" beschreiben.

 
Nebenbei ließ sie fallen, dass sie sich auch noch an eine Art Beschichtung oder Glasur darauf erinnern kann. Sie räumte allerdings ein, dass man damals noch nicht über die Möglichkeiten einer Röntgenfluoreszenzanalyse verfügte, um die qualitative und quantitative Bestimmung der elementaren Zusammensetzung zu untersuchen.

 

In keinem Fall kann man eine Angabe über das mögliche Alter dieser Scheibe treffen. Der kontroverse Kampf zwischen voreingenommenen Zweiflern und Gutgläubigen dürfte also noch eine Weile weiter gehen.

 

Jetzt auf Platte: So entsteht menschliches Leben

 

So ähnlich wie mit dem offenen Alter und dem fehlenden Fundort verhält es sich auch mit der Deutung des Artefaktes:
Die Symbole bzw. Zeichnungen auf der Platte sind mit vertikalen Linien, die zum Mittelpunkt laufen, voneinander getrennt.

Eine Seite der Scheibe wartet mit biologischen Details der menschlichen Entwicklung auf: Männliches Sperma, weibliche Eizellen und menschliche Genitalien, eine befruchtete Eizelle und ein heranwachsender Embryo. Die abgebildeten männlichen Spermien und die weiblichen Eizellen hätten die Altvorderen wohl auch nur über Mikroskope nachweisen können, wenn sie wirklich entsprechend "alt" waren. Oder sie hätten über entsprechend "eingeflüstertes" Wissen verfügen müssen. 

 

Ebenfalls kurios sind die Stadien der Zellteilung auf der anderen Seite. Die chronologischen Phasen des Schwangerschaftsverlaufs auf der Platte sind deutlich zu erkennen. Auffällig sind die weit voneinander entfernten Augen und die breite Nase eines mutmaßlichen Fötus.

Der Interpretationsspielraum der Symbole ist dennoch insgesamt sicherlich größer, als es auf den ersten Blick scheint.

 

Das mag alles sehr spannend sein, aber die unterschiedlichen Ansätze möchte ich lieber bis zu dem Zeitpunkt vertagen, wenn ein Verfahren gefunden wird, um eine halbwegs zuverlässige Altersprognose zu stellen oder das ganze Ding zweifelsfrei vom Verdacht der Fälschung zu befreien. So lange ist es für mich "nur" ein durchaus dekorativer Untersetzer. Dabei bin ich immer wieder gespannt auf Neuigkeiten mit adäquatem Hintergrund – auch wenn bei solchen Funden voraussichtlich nie alle Umstände völlig zweifelsfrei geklärt werden können. 


Jede Menge Hörensagen – weitere Artefakte 


Im Netz kursieren weitere Artefakte aus dem südamerikanischen Raum, die zwar interessant sein könnten und ebenfalls weitestgehend in den Bereich der Gynäkologie und Anthropologie passen, jedoch ebenfalls hinterfragt werden müssten. Fundort, Materialcheck etc. fehlen hier leider regelmäßig.

 

>> In sozialen Netwerken kursieren noch weitere Abbildungen ähnlicher Objekte mit Herkunftsangabe Kolumbien ohne Quellenangaben <<