17. November 2018 – © Spurensucher
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Toter Widder als Ordens-Logo: Das Goldene Vlies

 

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Foto: Wikimedia Commons; Bertramz/Bild-CC-by-sa/3.0/de; Details s.u.; >> Bildquelle

 

 

Ich muss zugeben, dass ich bislang von dieser Verbindung wenig bis gar nichts wusste: Dem Goldenen Vlies. Es handelt sich um einen Orden, der als Auszeichnung auf die Anfänge des 15. Jahrhunderts zurück geht und in unspezifischer Weise die "Verdienste von Rittern" würdigte.

 

Gut abgehangen – fortgesetzter Opferkult?

 

Kernsymbolik der Auszeichnung ist ein goldener, wenngleich toter Widder, der sich gewissermaßen als Marke etabliert hat und seither zahlreiche Halsketten, Orden und Wappen ziert. Ich persönlich finde es alleine von der visuellen Aussagekraft her hochgradig bedenklich, die Tierhaut eines toten Lebewesens goldglänzend als Konterfei einer wie auch immer gearteten Gemeinschaft zu präsentieren.

 

Dass sich diese Symbolik auch auf öffentlichen Statuen durchsetzt, mag ebenfalls nachdenklich stimmen. Dem Widder kommt hier – wie auch bei allen anderen o.g. Artefakten – eine spezifische Opferrolle zu. So beispielsweise oben durch die betont rabenschwarze Medea-Statue in Batumi, Georgien – auf dem Europaplatz im Zentrum der Altstadt.

 

Etwas ähnliches findet sich auch im russischen Sotschi, ganz in der Nähe von Georgien. Auch hier wird der Opferstatus des Widders unübersichtlich.

 

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Aufgespannt: Hier die besonders auffällige Opferrolle des goldenen Widders. Foto: Wikimedia Commons; Соломин А.В .. ursprünglicher Uploader war Yufereff in ru.wikipedia; >> Bildquelle 

 

 

Wie lautet die Moral von der Geschicht' ?

 

Die Ursprünge dieser Symbolik gehen offenbar auf unterschiedliche Mythologien zurück, auf die ich noch komme.

Wenn man sich dafür interessiert: Neben dem bekannten englischen Hosenbandorden machte der "Orden des Goldenen Vlies" bereits seit 1430 die Runde. Der Anlass galt der Heirat zwischen Herzog Philipp dem Guten und der Prinzessin Isabella von Portugal in Brügge. "Dynastischer Ritterorden" bedeutet, dass er anschließend über Generationen und Adelslinien duchgereicht wurde.

Der "gute" Herzog Philipp hat den Orden dem Schutz der heiligen Kirche und nebenbei auch der unbefleckten Ehre des Rittertums gewidmet. Dabei war der Kreuzzug ins Morgenland vom ihm bereits geplant, was zu dem Hinweis führt, dass er sich vom sogenannten Argonautenzug inspiriert fühlte.

 

Die Argonautensage als Themenkomplex der griechischen Mythologie von Euripides handelt von der Suche nach dem Goldenen Vlies und dessen Raub. Eine Geschichte, die bereits unter Homer bekannt war:

Das Goldene Vlies, genau genommen das Fell des Widders Chysomallos, stand im Fokus einer Expedition unter Iason. "In Kolchis angekommen, forderte er das Goldene Vlies von Aietes, dem König. Dieser versprach ihm das Vlies, wenn er es schaffen würde, die feuerspeienden Stiere mit den ehernen Füßen anzuspannen und Drachenzähne zu säen. Medea, die Tochter des Aietes, verliebte sich in Iason und half ihm, die Aufgabe zu bewältigen." (Zitat Wikipedia). Am Ende schläferte Medea (für Iason) den wachenden Drachen ein und angelte sich das Goldene Vlies.

 

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Abbildung: Internet Archive Book Images [No restrictions], via Wikimedia Commons; >> Bildquelle

(Ausschnitt aus der Mythologie: "… Wir, er stand da und schaute darauf, in dem Wissen, dass er endlich auf das goldene Vlies schaute. Seine Hand ließ Medeas Hand rutschen und er ging, um das Fleece zu ergreifen. Wie er es tat, hörte er ein schreckliches Zischen. Und dann sah er den Wächter des Goldenen Vlieses. Um den Baum gewunden, mit ausgestrecktem Hals und scharfen und schlaflosen Augen, war ein tödlicher Schrecken. Sein Zischen lief durch den ganzen Hain und die Vögel, die aufwachten, kreischten vor Schreck. Wie Rauchringe, die sich übereinander erheben, wand sich der Hals der Schlange um den Baum herum - Windungen, die von harten und glänzenden Schuppen bedeckt waren. Sie hat sich vom Baum abgewickelt, sich gedehnt und ihren Kopf erhoben, um anzugreifen. Dann fiel Medea zuvor auf die Knie und begann, ihr Zauberlied zu singen. Als sie sang, erschlaffte der Körper um den Baum herum. Wie Adark, die Iason. Medea, mit einem neu geschnittenen Wacholderspray, das in amystikales Gebräu getaucht wurde, berührte ihre tödlichen Augen. Und dabei sang sie… "). Interessanterweise haben wir es mitunter mit einer Schlange, statt einem Drachen zu tun. Offenbar erfüllen beide den gleichen Zweck. Diese Szene erinnert an den Baum der Erkenntnis, an dem sich einst Adam und Eva bedienten. 

 

Ein Happy End gab's dann aber trotzdem nicht, weil Iason später eine andere zur Braut nahm und Medea ihm "zum Dank" Frau und Kinder meuchelte. Den Schlussakkord der Tragödie beendete sie mit Selbstmord.

 

Medea schreckt vor nichts zurück: Medea lässt ihren Bruder Absyrtos von Bord der Argo werfen, um die Verfolger aufzuhalten und mit Iason und dem Goldenen Vlies "durchzubrennen". Das ist zwar nur einige von mehreren Varianten ihrer Flucht, doch "heiligt" mal wieder der Zweck in Gewissen Kreisen die Mittel. Im Hintergrund links das goldene Fell …

 

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Gemälde: Herbert James Draper [Public domain]; >> Bildlink

 

 

Chysomallos, der goldene Widder, konnte zu Lebzeiten sprechen und fliegen. Er flog einst einen bedrohten Königssohn nach Kolchis, was im späteren Goergien lag. Hier ist es interessant zu erwähnen, dass dort Schaffelle verwendet wurden, um Gold aus Flüssen auszuwaschen. Spätere archäologische Ausgrabungen in der Region bestätigten dort die zahlreichen Goldfunde. Euripides liefert mit seiner Geschichte der Argonautensage höchstwahrscheinlich das Motiv für die Gier der Griechen nach den Bodenschätzen am Schwarzen Meer. Bereits im 2.Jahrhundert war bekannt, dass die Flüsse des Kaukasus über unermesslichen Goldstaub verfügten. Man tauchte dort dichtwollige Schafsfelle einfach ins Wasser, damit sich diese mit Goldsand vollsaugen konnten.

Eine schöne Blaupause für die unermessliche Gier der damaligen Herrscher und Aristrokraten, die sich ebenfalls weiter im Westen davon inspiriert fühlten. Philipp der "Gute" hat hier eine Marke kreiert, die später zum habsburgischen Hausorden avancierte.

 

Warum sich diese Figur des Widderfells so standhaft als Ordens-Logo behaupten konnte, findet offenbar auch durch das Alte Testament seine Rechtfertigung. Darin gilt das Lamm als Opfertier – umso besser, wenn es dann (spätestens am Ende) auch noch mit Gold überzogen ist. Ähnlich dem Ring der Nibelungen steht das Goldene Vlies für die unersättliche Gier bestimmter Menschen nach Macht (und Besitz). Die Besitzer des Goldenen Vlies sollten sich zwar der gegenwärtigen Macht bewusst sein, aber auch der Konsequenzen. Medeas Untergang lässt grüßen. Ob die Botschaft am Ende bei den Adeligen und Ritterbrüdern in der entsprechenden Form angekommen ist, darf stark bezweifelt werden.

 

 

Durchhänger schmückt Wappen, Ketten und Statuen

 

Offiziell hängt das Ordenszeichen an einem blau emaillierten flammenden Feuerstein. Man legt Wert darauf, dass das Widderfell, das wie ein vollständig toter Körper nach unten durchhängt, von einer 31-gliedrigen Kette getragen wird, die der urspünglichen Mitgliederzahl von 30 Rittern und einem Großmeister entspricht. Mit den Jahren/Jahrhunderten wurden die Statuten verändert, es gibt mittlerweile weitaus mehr Mitglieder.

 

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Abb.: Alexeinikolayevichromanov / Wikimedia Commons / >> Bildlink

 

Der Feuerstein könnte auch als "allsehendes" Auge interpretiert werden (Bezug zu Sonnenkönig Ra), der Widderkopf am oberen Ende des Anhängers möglicherweise als Bezug zum Wind- und Fruchtbarkeitsgott Amun, einer ägyptischen Gottheit. Während Ziegen- und Gemsenköpfe auch mit dämonischen Ritualen in Verbindung gebracht werden, ist das Motiv des Widderkopfes als Symbolik nachhaltig umstritten. Es ist nicht auszuschließen, dass sich heidnische Götter, die von der katholischen Kirche dämonisiert wurden, "unter der Ladentheke" als weiter verehrenswerte Gottheiten in feineren Kreisen etabliert haben. Ob mit dämonischer Ausrichtung oder ohne sei jedermann/-frau seiner/ihrer eigenen Phantasie überlassen. Interessant ist festzustellen, dass auch die katholische Kirche "dämonische" Kulttiere des einstmalig verteufelten Heidentums als feste Bestandteile in seine Bauwerke mit einschließt (>> s. am Beispiel Kölner Dom). Als Opfertiere in uralten Mythologien galten Widder in jedem Fall.

 

Wer so alles mit Rang und Namen zu den sogenannten "Ordens"-Rittern des Goldenen Vlies gehört, kann in einer sicherlich nicht ganz vollständigen Übersicht >> hier nachgeschlagen werden.

 

Trotz dieses ehrenwerten Bündnisses darf man sich zum Beispiel wundern, warum Napoleon gegen Alexander I. zu Felde zog, obwohl beide sich mit dem gleichen Ordenszeichen zieren ließen.

 

Abb. links: Napoleon mit goldenem Vlies an seiner Uniform (linke Seite); Unknown author [Public domain], via Wikimedia Commons; >> Bildquelle

 

Abb. rechts: Alexander der I. von Russland – allerdigs ohne Goldenem Vlies an der Uniform; Vladimir Borovikovsky [Public domain]; >> Bildquelle

 

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Beispiel: Herzog Karl der Kühne von Burgund, hier ca. 1460 noch als Graf von Charolais dargestellt, trägt auf dem Gemälde das Goldene Vlies an der Kette. Abb.: Wikimedia Commons; Attributed to Rogier van der Weyden [Public domain]; >> Bildlink

 

Es gibt unzählige Gemälde von Herzögen, Fürsten und Adligen, die sich mit dem Goldenen Vlies verewigt haben.

 

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In der Heraldik finden sich Dutzende Beispiele des goldenen Fells als Anhängsel von Wappen. Die Kettensymbolik ist – wenn man sich mit weiteren Details befasst – ebenso vielschichtig.

 

Sowohl in der Heraldik der Adelsdynastien wie auch bei den Wappen einzelner Staaten darf das Goldene Vlies nicht fehlen und ist darum auch nicht rein personifiziert zu sehen. Hier ein Beispiel: Vorne der Österreichische Doppeladler in Gold, mit dem Bindenschild belegt, darüber die Rudolfskrone, für die Österreichischen Länder, hinten gespalten von Altungarn und Neuungarn für das Königreich Ungarn, im Propf geschacht für das Königreich Kroation und Slawonien, darüber die Stefanskrone, das alles für die Ungarischen Länder, dazwischen schwebt gegen die Landesteile erhöht Habsburg-Lothringen, mit Habsburgerkrone, Orden vom Goldenen Vlies; Bildquelle: Wikimedia Commons; Wappen Österreiche-Ungarn von 1916; >> Bildquelle

 

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Und wie kommt dieses Logo bzw. der Ordensbund beim Klerus an? Nun, wenn der Adel und das Rittertum dafür seine Absolution erhält (was offensichtlich stets der Fall war), steht die katholische Kirche dem Bund nicht in der Quere: Hier die Klosterkirche St. Anna im Lehel im Stadtbezirk Altstadt-Lehel in München (Bayern/Deutschland), Stuckkartusche mit dem Wappen von Karl VII., des bayerischen Kurfürsten und Kaisers des Heiligen Römischen Reichs, und der Kette des Ordens vom Goldenen Vlies (s. Detailansicht 2. Abb.).

 

Abb.: GFreihalter / Wikimedia Commons; >> Bildquelle

 

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Fassadenkunststück der Nomaden? Mada'in Salih


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Yonaguni: Pazifische Seeanomalie vor Japan

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Langfinger der Schoschonen: Riesige Handabdrücke im Felsen

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Some like it hot: Das Geheimnis "verglaster" Festungen und Ruinen


Mur_vitrifié_Ste-Suzanne_Web.jpgBefestigungswälle, die nicht mit herkömmlichem Mörtel errichtet wurden, gelten auf den ersten Blick als Rarität. Viele haben von solchen Phänomenen ohnehin noch nie etwas gehört. Das mittelalterliche Dörfchen Sainte-Suzanne, Mayenne in Frankreich aus dem 11. Jahrhundert, das auf einer felsigen Erhebung mit dreieckiger Grundfläche steht, ist bereits für diese Bauweise unter "Insidern" bekannt.

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Regenbogengebirge aus der Graffiti-Sprühflasche: Zhangye Danxia

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Die Bergregion von Zhangye Danxia in China ist eine farbenfrohe Augenweide, die ohne großartige kreative Klimmzüge in ein phantasievolles Ölgemälde umgedeutet werden kann. Das Gebiet ist für die ungewöhnlichen Farben der Felsen bekannt, die ausgesprochen steil herausragen und zum Teil mehrere hundert Meter hoch sind.

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Pyramide als Fußabtreter für's Militär: Baka in Saujet-el-Arjan

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Die Entdecker bezeichneten sie als 13. Pyramide, allerdings kann heute niemand mehr sagen, ob es überhaupt eine werden sollte: Die Rede ist von der Grabkammer der Baka-Pyramide, deren quadratische Grundfläche von 200 x 200 Metern bereits in den Jahren 1905 bis 1912 vom italienischen Archäologen Alessandro Barsanti näher unter die Lupe genommen wurde.

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Bekommen die Türe nicht auf: Geheimnisvolle 7. Gewölbekammer bleibt geschlossen …

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An einem Sommermorgen im Jahre 1908 fand eine der größten Explosionen der russischen Geschichte statt. Jetzt gibt es neue Erkenntnisse zur Kratertheorie als Absturzstelle eines vermeintlichen Himmelskörpers.

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