© Spurensucher - 18. September 2019

Vom Kanapee zum Aufstieg

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Dritte Etappe auf dem historischen Rundweg von Leistadt (bei Bad Dürkheim): Neben der sogenannten "Suppenschüssel", bei der es sich um ein mittealterliches Rechts- und Grenzdenkmal handeln soll, das früher während der Abschlussbesprechung mit Umtrunk nach Begehung der Gemarkungsgrenzen eingerichtet wurde!? (angeblich irgendwann zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert) … Hat man sich diese Mühe wirklich gemacht, hier ein Naturbecken für Umtrünke einzurichten? Was soll man da rein gekippt haben? Bier, Suppe? Wer glaubt sowas allen Ernstes.

 

Ein paar Hundert Meter weiter liegt das sogenannte "Kanapee", eine bessere Bezeichnung fiel den Geschichtsschreibern offenbar auch nicht ein. Die Form mag zwar aus weiterer Ferne daran erinnern, aber selbst als einfache Warte- und Ausblickbank ist diese vollständig aus dem Felsen geformte Struktur sicherlich alleine schon von ihren Ausmaßen und Wölbungen her nicht für kurzweilige Momente vorgesehen gewesen.

 

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Einfache Sitzgelegenheit mit Ausblick? Für sich genommen ist das sogenannte "Kanapee" aus meiner Sicht für Höheres bestimmt gewesen.

 

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Direkt daneben befindet sich ein Felsaufgang mit Treppenstufen, die praktisch im Nichts enden. Sicherlich handelte es sich hier um einen Kraftort, der einst für andere Zwecke genutzt wurde. Die exakt 11 Stufen könnten auf Initiationsriten hinweisen, die weitaus älter sind als die des Mithraismus. Zum römischen Initiationskult gehören jedenfalls lediglich 7 Stufen … Vielleicht liege ich auch völlig falsch, das nebenstehende "Kanapee" war vielleicht kein Sitzplatz für Hohepriester, sondern Teil einer komplexeren Anlage für völlig andere Zwecke. Die Monolithen von Asuka Nara (Japan) erinnern mich jedenfalls daran. Das "Kanapee" ist aus meiner Sicht mehr als nur eine Sitzgelegenheit …

 

Aufstieg mit 11 Stufen ins Nichts? Dieser Treppenfelsen ist sicherlich kein Überbleibsel einer alten Behausung. 

 

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Bei näherem Hinsehen stellt man fest, dass weitere bearbeitete Felsen unter dem Laub und der Erde verschwinden und man sicherlich alles daran setzt, dass das auch so bleibt. Man erahnt auch Hohlräume unter der Erde. Zwischen den beiden großen Felsen federt der Boden etwas nach. Wissenschaftlich ist hier jedenfalls nichts ernsthaft aufgearbeitet worden. Stattdessen verkauft man den Ort als mittelalterliche Einsiedelei (die es vielleicht ja auch viel später mal war): Angeblich seit der Ort zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert bewohnt gewesen. Die Verpflegung für den Einsiedler mussten die Bürger von Leistadt raufbringen.

Der Ort befindet sich auf etwa 445 Höhe in Hanglage und ist damit schon recht weit oben in der Nähe des Gipfels. Gäbe es davor keine Bäume, die ohnehin nicht besonders alt sind, hätte man vermutlich einen hervorragenden Blick ins Tal bzw. über die Ebenen.

 

Dem Ort etwas vorgelagert befindet sich die sogenannte "Suppenschüssel". Auffällig ist die viereckige Einfassung mit abgeflachter Kante bzw. Doppelkante auf einer Seite. Als Umtrunkbehälter war das sicherlich ursprünglich nicht gedacht, auch wenn viele auf Anhieb erst einmal wieder an das typische Opferbecken denken. Die Ideen gehen von Modellpyramide (ohne Schlussstein), Keltenkreuzsockel bis Behälterfassung. Auch Einfassungen für Statuen wären denkbar … davon gibt es genügend Beispiele in Indien. Für weitere Vorschläge bin ich dankbar. Seitlich sind interessante Petroglyphen zu finden, die vermutlich auch erst viel später nach der Fertigstellung dieser Struktur dort eingraviert wurden (zumindest ein Teil davon – wie ja auch die Zahl 1826 belegt).

 

Suppenschüssel2

 

Suppenschüssel1

 

Suppenschüssel5

 

Suppenschüssel3

 

Der Leininger Grenzstein des Grafen zu Leiningen-Hardenburg aus dem Jahre 1595 befindet sich direkt an der "Suppenschüssel".

 

Leininger-Grenzstein

 

Ihr wollt den Ort auch einmal besuchen? Ich kann den rund 9 km lange Wanderstrecke guten Gewissens empfehlen. Berichtet mir über Eure Entdeckungen.

 

 

 

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