© Spurensucher - 03. Dezember 2017

Teufels-Abdrücke im Pfälzer Felsen

 

Teufelsstein 1

 

Seit dem Christentum ist der inflationäre Begriff der "Teufelssteine" – stellvertretend für einzelne Megalithen – europaweit verbreitet. Hätte man im Zuge der Inquisition die Möglichkeit gewusst wie, wären sie wahrscheinlich genauso auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden wie verdächtige menschliche Individuen. Immerhin wurden ja auch europaweit große Anstrengungen unternnommen, massenweise Menhire der Megalithkulturen zu beseitigen oder umzu"branden" – ganz im Sinne der katholischen Kirche, ketzerische heidnische Reliquien auf Linie zu bringen.

 

Im Pfälzerwald bei Bad Dürkheim an der Weinstraße gibt es einen Monolithen auf einer 317 Meter hohen Bergkuppe, der – analog zum Namen des Berabschnittes – die Bezeichung Teufelsstein trägt. Man kann ihn durchaus als pfälzische "Anomalie" bezeichnen.

 

 

Kirche schiebt Mysterium dem Teufel in die Schuhe

Sagen zufolge – die wohl die katholische Kirche in die Welt gesetzt hat – muss selbstverständlich der Teufel mal wieder die Finger im Spiel haben:

„Einst, als auf dem Berg gegenüber dem Teufelsstein das Kloster Limburg errichtet wurde, missbrauchten die Mönche den Teufel als Bauhelfer. Sie hatten ihm weisgemacht, ein Wirtshaus bauen zu wollen, und ihn auf diese Weise bewogen, die riesigen Steinquader aufeinanderzutürmen. Erst als nach Fertigstellung der Anlage die Glocken zur feierlichen Weihe der Basilika riefen, bemerkte der Teufel den Betrug. Voller Grimm wollte er auf dem gegenüberliegenden Berg den gewaltigen Felsblock ergreifen und auf das neue Kloster schleudern. Doch Gott beschützte die Mönche, der Stein wurde weich wie Butter. Da setzte sich der Teufel darauf, und sein Hintern, seine Füße und sein Schwanz hinterließen Abdrücke, die noch bis zum heutigen Tag sichtbar sind...“

 

Abdrücke_2Wenngleich er seine Spuren dort hinterlassen haben soll – der Felsblock war schon vor ihm da … :-) … Jedenfalls gibt uns diese Geschichte Aufschluss darüber, dass die Gravuren oder Abdrücke im Teufelsfelsen bereits vor dem Christentum darin verewigt wurden.

Bezeichnend oder eben nicht ist der Umstand, dass man den Ort als Fremder ohne Koordinaten oder ausführlichem Kartenmaterial bestenfalls durch Zufall findet. Die Wandervereine oder Forstbetriebe halten es leider nicht für nötig, auf dieses erstaunliche 2,5 Meter hohe und ca. 4,00 Meter breite Felsgebilde auf ihren Wegen durch geeignete Beschilderung hinzuweisen. In unmittelbarer Nähe befinden sich lediglich ausführlich bebilderte Trimmdich-Pfade …

Ich habe mir diese erstaunliche Felsstruktur vor Ort einmal angesehen.

 

>> Koordinaten Google Maps 


1. Eindruck: Form eines modellierten Ufos

Betritt man die Anhöhe, stellt man spontan fest, dass man es nicht mit einer typischen Felsgeometrie zu tun hat. Die Vorderseite ist aus unerklärlichen Gründen stark abgeflacht, das Ganze ähnlich einem Stiefel mit einem Schaft. Die rauhe Struktur der umliegenden Fläche (zum Berghang) weicht von der Oberfläche der abgeflachten Seite, die im Gegensatz dazu sehr flach ist, mit den fünf sichtbaren Stufen stark ab.

 

Teufelsstein 1_Seite

 

Wenn man es nicht besser wüsste (weiß man es besser?), würde man annehmen, hier hätte jemand – ähnlich bei der Modellierung mit bearbeitbarem Ton oder Knetgummi gearbeitet – zunächst die vordere Seite abgeflacht und die Stufen schlicht eingedrückt. Jedenfalls konnte ich keine klaren Kanten oder oder Konturen ausmachen, die auf eindeutige Abdrücke metallischen Werkzeugs schließen lassen. Selbstverständlich muss das erstmal gar nichts bedeuten. Immerhin können solche Stellen auch nachpoliert worden sein. Wenn ich mir aber einerseits anschaue, wie ungenau die Stufen – oder besser: Mulden – dort verewigt wurden, frage ich mich andererseits, warum man sich dann die Mühe gemacht haben soll, etwaige Kanten abzuschleifen oder zu polieren. Möglicherweise hat aber auch die Erosion weitaus stärkeren Anteil an den Einbuchtungen und dem Verschwinden von meißelähnlichen Werkzeugspuren, als ich mir das zum jetzigen Zeitpunkt vorstellen kann.

 

"Opfer"becken mit Formen von Fußabdrücken

Folgt man den Stufen auf die 2,50 Meter Ebene des Teufelssteins, findet man oben die Bearbeitungsspuren eines Beckens, das unter Umständen auf religiöse Riten der Vorzeit zurückzuführen sind. Ob es sich dabei wirklich um Kelten handelte, die diese Örtlichkeit als Kultstätten für Opferriten genutzt haben, weiß jedoch offensichtlich niemand genau. Die Wissenschaft interpretiert es so.

 

Hauptbecken_2 Hauptbecken_oben

Das Becken im "Obergeschoss" des Teufelssteins verfügt über unterschiedliche Abflussrinnen, die nach unten führen. Daneben gibt es jedoch noch weitere "beckenförmige" Mulden, ebenfalls hineingearbeitet wurden.

 

Becken_Ablaufrinnen2 Becken_Ablaufrinnen

 

Ein bis zwei Mulden haben starke Ähnlichkeit mit Fuß- bzw. Schuhabdrücken. Zufall oder Hinweis darauf, dass wir es früher einmal mit einer anderen Materialdichte zu tun hatten?

 

Teufelsstein_Spurenabdruck Fußbecken

 

Die äußeren Gravuren jedenfalls scheinen zweifelsfrei über alle Epochen hinweg mit Werkzeug eingemeißelt worden zu sein. Man findet dort Gravuren aus dem Mittelalter und vermutlich auch aus dem Neolithikum. Sonnenräder, Runen, römische Ziffern und Symbole, die an Steinmetzzeichen des 12. und 13. Jahrhunderts erinnern, sind dort ebenfalls vorhanden. Eine genauere Zusammenstellung und Ergänzung der Graffity-Gravuren folgt zu einem späteren Zeitpunkt …

 

Gravuren_2 Gravuren 

 

Auf der Rückseite des Felsens wurde entweder eine Stütze gemauert oder einfach nur mit Ziegeln ein Zugang versperrt. Genaueres konnte ich bisher dazu nicht in Erfahrung bringen. Seitlich des "Hecks" sieht man nebenstehend eine völlig andere Felsstruktur im Vergleich zur Vorderseite des Felsens.

 

Hintere_Stütze Seitlich hinten

 

Ein paar Flächenabschnitte des Felsens überraschen durch plattere, gleichzeitig porösere Strukturen. Sind sie ein Ergebnis erhöhter Hitzeeinwirkung? Zumindest erinnern sie ein wenig daran.

 

Seitliche Bearbeitungsspuren_2 Seitliche Bearbeitungsspuren

 

Die geschwungenen Formen des oberen Beckens im Zusammenspiel mit den "Abflüssen" sind eng an die Frage geknüpft, mit welchen Technologien die damaligen Kulturen gearbeitet haben.

 

Seitenansicht

 

Links: Abflussrinne von unten. Es gibt so gut wie keine Ecken und Kanten. Die unterschiedliche Materialkonsistenz innerhalb ein- und desselben Felsens ist auffällig.

 

Hauptalaufrinne_2 Seitenspuren+Erosion

 

 

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