Spurensucher - 31.5.2016
Diverse Quellen

London: Satanische Relikte "bereichern" das Stadtbild

She_Guardian_by_Dashi_Namdakov,_London_2015.jpegEs ist erst knapp ein Jahr her, dass nahe von Marble Arch, dem weißen Marmorbogen unweit der Speaker's Corner im Hyde Park eine 11 Meter hohe Bronzestatue errichtet wurde, die für einige Überraschung sorgte. Bei den 4 Tonnen Bronze handelt es sich angeblich um die Darstellung eines Monsters (wenigstens das wird eingeräumt), welches die weibliche Bereitschaft symbolisieren soll, diejenigen zu verteidigen, die unter ihrem Schutz stehen. Warum hierbei ein "urzeitlicher Drang" betont werden muss ist ebenfalls merkwürdig. Möglicherweise soll uns das aber nur vor Augen führen, dass die Heimsuchung - womöglich noch mit Nachwuchs - unmittelbar bevorsteht. 

 

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(Weitere Abbildungen: http://www.halcyongallery.com/art/she-guardian)

 

Jedenfalls ist der russische Künstler Dashi Namdakov ebenso stolz auf seine symbiotische Raubkatzen-Drachen-Figur wie sein Auftraggeber, der Council von Westminster City. Der Titel des "Werks" lautet "She Guardian". Zitat des Westminster City Councils: 

"A deeply mystical and fantastical sculpture, She Guardian is a powerful feline defender with blade-sharp wings that rear menacingly behind her back. Her snarling jaws and ready claws speak of a primeval urge to attack anyone who might threaten those she protects." Das Zitat drückt die Faszination des Auftraggebers aus, das Geschöpf wäre mit rasiermesserscharfen Klingen ausgestattet (neben anderen bedrohlichen Körperteilen) und nur darauf aus, die ihr Anvertrauten vor Bedrohungen zu schützen. Die Figur sei mystisch und fantastisch – von Diabolik kann also keinesfalls die Rede sein. Offenbar ist das der Auftakt einer Serie bedrohlicher Geschöpfe des Künstlers, der in der Nähe eine weitere Figur portraitiert hat, nämlich Dschingis-Khan. (http://www.halcyongallery.com/art/genghis-khan1) Dieser wirkt in einer ähnlichen Skulptur wie ein Untoter, der im nächsten Moment von seinem geschundenen Gaul fallen könnte. Über Kunst kann man sich zwar streiten, doch passen diese Darstellungen derzeit in den Trend. Offenbar wollte der Russe gemeinsam mit der englischen Elite den kriegerischen Mongolen in seiner Denkerpose hoffähig machen.

 

Gewiss, das Ganze wirkte an dieser Stelle bereits etwas düster, aber weniger bedrohlich. Man hat diese Skulptur gegen seine nun weitaus furchteinflößendere getauscht. (Interessant auch der unverblümte Beitrag des Londonist: http://londonist.com/2015/05/runforthehills) - "What the actual f*ck?" (Zitat eines "weisen" Mannes).

 

 

Namdakov hat offenbar wirklich eine "Serie" in London, denn die Elite kann von seiner Kunst mit satanischer Ausstrahlung offenbar nicht genug bekommen. Spätestens seit Games of Thrones weiss man schließlich, dass Drachen zur schützenswürdigen Spezies gehören. Wenn es sich dann auch noch um Mischwesen handelt, die noch beängstigender wirken, kann man unbesorgt anknüpfen.

 

An anderer Stelle wird der italienische Künstler Roberto Cuoghi dann doch noch ein wenig konkreter. Die Nummer mit der Ausgeburt einer Fantasie kauft ihm mit dem Dämonen Pazuzu kaum einer ab. Die "Requisite" aus "Der Exorzist" wird nun auch in London hoffähig gemacht. Pazuzu ist ein Dämon aus der babylonischen und assyrischen Mythologie und gilt als Personifikation  kalten Windes mit Fieber und Kälte. Zitat Wikepedia: Er wird als Sohn des Hanbu bezeichnet und mit löwenähnlichem Kopf, den Füßen eines Adlers, schlangenköpfigem Penis, einem Skorpionsschwanz und vier Flügeln dargestellt. Bei der einzigen Ganzkörperdarstellung weist eine Hand nach oben, die andere nach unten, was in hermetischen Spekulationen der Neuzeit als Hinweis auf den Grundsatz: „Wie oben, so unten“ gedeutet wurde. Normalerweise wird jedoch nur sein löwenartiger Kopf dargestellt.

 

(Der assyrische Dämon Pazuzu ist auch ein Ausstellungsstück im Louvre, Paris – Cuoghi hat sich von dieser für die größere 6 Meter hohe Ausführung inspirieren lassen, die in zwei Teilen aufgebaut werden musste)

 

Pazuzu soll übrigens am von den Tempelrittern angebeteten Baphomet (Symbol des Teufels) angelehnt sein. Aber man wollte wohl doch nicht vor den Augen der Touristen und des Londoner Hofstaates gleich Baphomet in Szene setzen, weshalb es ein Pazuzu vorläufig auch "tat".

 

Die düstere "göttliche" Gestalt befindet sich mittlerweile auf dem ICA Gebäude des British Museums (seit 2008). Das Gebäude soll angeblich zum Besitztum des Königshauses gehören.

 

Wer sich erinnert: Der Exorzist (Fassung von 1973), gespielt im gleichnamigen Film von Max von Sydow, ist zu Anfang auch als Archäologe unterwegs und entdeckt in seiner unheilvollen Getriebenheit nahe Ninive die über den Ruinen wachende Gottheit, die ihn gleichsam blendet und verstört.

 

 

Selbst der Guardian hat sich zu dieser offensichtlichen Verherrlichung latent kritisch geäußert: https://www.theguardian.com/artanddesign/jonathanjonesblog/2008/nov/14/exorcist-british-museum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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