© Spurensucher - 29. Oktober 2017

Japanische Kriegsherrn als High-Tech Baumeister? Die Festungswunder von Edo und Osaka

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Man darf sich getrost fragen, wie die Japaner das Fundament der für sie größten Burg im 15. Jahrhundert so virtuos errichten und diese tonnenschweren Lasten in Formation bringen konnte. Ōta Dōkan hat diese Burg in nur 11 Jahren hochgezogen. Er wirkte gar nicht wie ein imperalistischer Herrscher, sondern schor sich ein Jahr nach der Fertigstellung der Burg das Haar, um der Welt zu entsagen. Dieses seltsame Verhalten für einen Herrscher wurde nur noch dadurch getoppt, dass er die bemerkenswerte Feststellung äußerte: "Hätte ich nicht gewusst, dass ich bereits tot war, hätte ich betrauert den Verlust meines Lebens." Was hat den ehemaligen Militärstrategen dazu bewogen, solch ein Burgfundament zu bauen – nur um sich kurz darauf allem Weltlichen abzuwenden. Erst fast 150 Jahre später ging das Gelände an ein Shogunat über. Ob Dōkan für die gewaltigen Mauern zuständig war, bleibt also auch noch als Frage offen. Die später auf dem geschützten Gelände befindlichen Holzbauten/Türme wurden häufiger Opfer der Flammen von Angreifern, die die Burggebäude schlicht niederbrannten oder die Burgbewohner einfach von der Wasserzufuhr abschnitten. Es ist äußerst rätselhaft, dass diese Wälle im deutlichen architektonischen Kontrast zu den später darauf befindlichen Holzbauten standen.

 

 

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Abb.: Ein weiterer imposanter Ausschnitt der gigantischen Blöcke in Relation zur Menschengröße; >> Bildquelle

 

Welche Baukunst dieses nicht alltäglichen Maurer-Gesellenstücks zugrunde lag, dürfte bis heute ein Rätsel bleiben. Es gibt in Japan noch weitere Stätten mit solch' ausgefallenen und schwergewichtigen Strukturen, um eine Mauer zu bilden? Könnte es nicht sogar sein, dass die japanischen Dynastien seinerzeit auf bereits bestehende Megalithstrukturen mit ihren Holzbauten einfach "aufgesetzt" haben? Möglicherweise haben diese Mauern, die sehr an südamerikanische Bauwerke erinnern, die mit gleicher Maurerskunst gearbeitet haben und die heute kaum zu reproduzieren ist und deren Blöcke filigran geschnitten sind (mit welcher Hochtechnologie auch immer) nichts mit den offiziellen Burgbauern zu tun… ?

 

Abb.: Hier der Gesamtansicht der Gebäudeseite, bei der man die Präzision der Maurerskunst ablesen kann

 

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Abb.: Hier die andere Seite der Fundamentstruktur mit den Front-Zugängen; >> Bildquelle

 

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Das technisch anspruchsvolle Mauerwerk aus Blöcken mit Polygonstrukturen, die so filigran eng aufeinander aufgesetzt wurden, dass vermutlich kein Löschblatt dazwischen passte, zieht sich wie ein roter Faden durch die Burgbegrenzung bzw. Wehranlage. Hier hat man nochmals eine aussagekräftige Ansicht.

 

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An einem anderen Schauplatz in Japan – dem Schloss von Osaka – gibt es mindestens genauso erstaunliche Festungsstrukturen, für die es auch keine vernünftige Erklärung gibt. Hier findet man nicht nur ebenso passgenaue Festungsquader, sondern vor allem …

 

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… einen von mehreren gigantischen Blöcken, der von erstaunlich zahlreichen Japanern an Ort und Stelle gebracht worden sein muss:

 

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Ich zitiere aus einer Touristeninformation: "Die prachtvollen Wassergräben und die Steinmauern bestehen aus einer Vielzahl von riesigen Steinen und sind Symbole der soliden Verteidigung des von Tokugawa errichteten Osaka-Schlosses. Die Wassergräben sind 70 bis 90 Meter breit, und einige der Steinmauern, die auf beiden Seiten der Wassergräben stehen, sind mehr als 20 Meter hoch. Die Gesamtlänge der Steinmauern aus Granit beträgt 12 km, die Anzahl der Steine in den Wänden beläuft sich auf 500.000 bis 1.000.000 Steine. Die harmonische Schönheit der prächtigen Steinmauern und der Wassergräben überrascht und bewegt die Besucher." Kein Wort davon, woher diese riesigen Steine kamen – geschweige denn, wie sie dort zum Einsatz kamen.

 

Hier eines der Zugangstore mit den riesigen Steinen: Im Innenhof sieht man die konsequente Fortsetzung der gigantischen Blöcke, die bei der Befestigung zum Einsatz kamen oder einfach nur für eine neuzeitliche Befestigung genutzt wurden.

 

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