© Spurensucher - 08.02.2020

Celler Schloss: Rückbau eines Energiezentrums?

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Das Schloss in Celle ist imposant. Wie bei unzähligen anderen Schlössern präsentiert man uns eine Burggeschichte irgendwann im 10. Jahrhundert und äußert sich bestenfalls vage bis eher gar nicht darüber, was sich dort wirklich bis zum 16. Jahrhundert befand. Vorsichtig spricht man lediglich von einer „Anlage“. „Ernst der Bekenner“ (Herzog zu Braunschweig-Lüneburg) bekannte sich nicht nur 1525 zu Luther, sondern offenbar auch zur Schlosskapelle, die damals bereits existierte. Georg Wilhelm soll dann etwa 100 Jahre später das Schloss zum Barockschloss umgebaut haben. Man findet bereits Andeutungen eines Umbaus im 14. Jahrhundert und erfährt eben von umfangreicheren Maßnahmen im 16. Jahrhundert. Niemand weiss jedoch, wie es an dieser Stelle vorher aussah, falls sich an der Grundsubstanz überhaupt etwas geändert hat (bis auf einige Gebäude, die zumindest nicht mehr existieren).

 

Stich von 1646 vermutlich vor oder während der Umbauten – offenbar gab es damals weitaus mehr Gebäudetrakte; die Bollwerke waren ebenfalls recht imposant. Sollen die Rauchwolken Kanonenfeuer simulieren? Interessant auch die wiederholte Akribie der Dachspitzen. (Abbildung Wikimedia Commons, Quelle

 

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Celle von 1654 (Matthäus Merian); noch komplexere Ansicht; im Hintergrund das Schloss aus anderer Perspektive und komplexeren Gebäudestrukturen als heute; einige Türme fehlen; Quelle Wikimedia Commons

 

Aus der Vogelperspektive sieht man den Unterschied von heute zu älteren Karten. Man erkennt sofort, dass man es hier mit der etablierten Form eines Sternenforts zu tun hatte, das den Altstadtkern und das Schloss mit einbezog. Lückenlose verbundene Wassergräben parallel zur Aller lassen die Frage aufkommen, warum man zur Verteidigung doppelte Wasserbefestigungen benötigte, wo doch auch der Flusslauf für fast 2 der 4 Seiten gereicht hätte (Nebenarme nicht mitgezählt). Der Schlossbereich im Westen war einst eine isolierte Insel.

 

1740 scheint das Schlossgebäude im Grundriss schon weitaus einfacher strukturiert aus als auf dem oberen Stich. Offenbar hat man sich im Zuge der Zeit zahlreicher Gebäudepartien entledigt. Hier sieht man sehr deutlich die heute nicht mehr existenten Wassergräben rund um die Stadt und die Schlossinsel sowie parallel zur Aller und komplett zum Nebenarm. (Quelle; Wikimedia Commons)

 

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Dass die städtebauliche Anordnung Schloss, Stadt einschl. Befestigungen und Kanalstrukturen keine zufällige Einmaligkeit war, sieht man auch recht eindrucksvoll am Grundriss von Wolfenbüttel (siehe Link, leider habe ich keine Nutzungsrechte, die alte Karte von Wolfenbüttel hier direkt zu veröffentlichen) oder in ähnlicher Weise auch Hannover. Nichts von diesen Ingenieurskünsten wurde hier erhalten, sondern alles komplett zerstört.

 

Quelle Hannover ca. 1750; Wikimedia Commons

 

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Angeblich soll den Menschen (bzw. uns heute) im 18. Jahrhundert eingefallen sein, dass das Celler Schloss keinen militärischen Nutzen gehabt hat und deshalb sämtliche Außen“Bastionen“ abgebrochen werden mussten. Zwischen 1785 und 1802 hat man sich 17 Jahre lang die Mühe gemacht, nicht nur die Außenanlagen abzureißen, sondern auch alle Burggräben damit zu verfüllen. Mit den 17 Jahren soll es aber auch nicht getan sein, denn man spricht davon auch im Zuge der Anlage von Gartenanlagen im Schlossumfeld weiter von einer „Schleifung und Abtragung“ der Verteidigungswälle noch ca. 1825. Wir reden also hier von locker über 40 Jahren anhaltender Abrissmaßnahmen? Wofür das Ganze? Verteidigungswälle, die angeblich doch keinen militärischen Nutzen hatten (welchen dann?) und dennoch der Obrigkeit ein Dorn im Auge waren.

 

Das Gebäude, von wem auch immer es stammte, ist in seiner Ausrichtung und mit seinen vier Flügeln offenbar nach „Vastu“-Kriterien gebaut worden.  So jedenfalls analysiert es Elisabeth Hastrup-Kiil in ihren Ausführungen „Die Geheimnisse des Celler Schlosses“ (>> Quelle). Vastu kommt aus dem Sanskrit und ist mit dem Feng Shui vergleichbar. Hier geht es um die Berücksichtigung von wichtigen Energien bei der Ausrichtung von Gebäudekonstruktionen und der späteren Belegung der Wohneinheiten. Hier finden selbstverständlich auch die Aspekte der heiligen Geometrie ihre Berücksichtigung.

 

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Fenster wie Kirchen, riesige Tordurchgänge mit aufschlussreicher Symbolik. Die linke Turmspitze weist ein interessantes Detail auf.

Die Dachspitze sieht aus wie eine Antenne. Hat man hier möglicherweise nicht nur künstlerische Aspekte berücksichtigt, sondern auch energetische? 

 

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Damals schon auf dem Dach? Ich bin mir ziemlich sicher. Man muss aber den Stich stark vergrößern, dann sieht man die Andeutung des "Antennen"-Radius; Hier der Stahlstich von 1840 (Willmann, Eduard: Celle, Schloss); Gemeinfrei; Bildquelle

 

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Ich gehe einmal stark davon aus, dass die damalige Standortwahl von wichtigen Bauwerken niemals zufällig, sondern stets von primärer Bedeutung war. Gleiches galt auch für die Ausrichtung, Bewirtschaftung und Bewohnung. 

 

Was wäre, wenn hier allgemeine Aspekte des Energieflusses auch für weitere Zwecke genutzt wurden, die wir uns heute gar nicht (mehr) vorstellen können? Förderten die Bewässerungsgräben und sternförmig ausgerichteten Wälle neben den üblichen zitierten Verteidigungszwecken vielleicht ebenfalls energetisierende Prozesse? Warum wurde eine solche Bauingenieurskunst in jahrzehntelangen Bemühungen restlos beseitigt und warum ist man überall gleich verfahren?

 

Bei einem Spaziergang durch die illustre Altstadt sieht man immer wieder interessante Dachspitzen oder -Aufbauten, die zum Nachdenken anregen.

 

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Seltsamerweise gibt es kaum Karten- oder Gemäldematerial des Schlosses von Celle vor dem 17. Jahrhundert. Ich frage mich, wie das kommt. Möglicherweise muss man ja nur tiefer in die städtischen Archive eintauchen, vielleicht wird man aber auch dann enttäuscht. Online ist jedenfalls nicht viel mehr als das hier Vorliegende zu finden.

 

Der seltsame Bau des sogenannten Bomann-Museums gegenau gegenüber vom Schloss: Dieses Gebäude soll erst Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden sein. Außer einer Skizze des fertigen Museums ist hier kein Material über den Baufortschritt oder dessen Pläne auf Anhieb zu finden. So imposant es wirkt, als Unbedarfter kommt man nicht so schnell darauf, es hier mit einem Museum zu tun zu haben.

 

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