© www.spurensucher.eu - 29.12.2021

Renningen: Alles nur Naturtheater?

1990 hatte man sich das Regierungspräsidium Stuttgart entschlossen, den Längenbühl nahe Renningen im Landkreis Böblingen zum Naturschutzgebiet zu erklären. Grund: Man wolle einen ehamligen Schilfsandsteinbruch mit "abwechslungsreichen Abbruchwänden und Abraumhalden" einschließlich einer sehenswerten Flora und Fauna erhalten. Was sicherlich für den Besucher auf den ersten Blick nicht nicht gerade ins Auge sticht, sind die sprossende Felsennelke, die Gebbbauchunke und der Feuersalamander. Da springen schon eher die riesigen Steinwände, die als Heimat seltener Moosarten eine Rolle spielen sollen, unvermittelt ins Auge.

 

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Entlang der Wege rund um das Naturtheater sind zahlreiche hundert Meter an Trockenmauerstrecken unter Moos, Gehölz und Laubwerk zu entdecken.

 

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Ausgerechnet dort hat man sich einfallen lassen, die Bühne eines Naturtheaters zu erreichten, das allerdings lediglich  zweimal im Jahr aufspielen lässt. Man sieht jedoch buchstäblich den Wald vor lauter Bäumen nicht. Man befindet sich nämlich um das Gelände eines angeblich ehemaligen Steinbruchs, der einige Fragen aufwirft. Im nördlichen Bereich des Längenbühl befindet sich eine 210 Meter lange Felswand, die in West-Ost-Richtung verläuft und einmal praktisch 2 x rechtwinklig abknickt. Das längste Stück beträgt alleine 130 Meter.

 

Die "Natur"-Theaterbühne inmitten dieser megalithischen Kulisse nimmt sich für mich wie ein Fremdkörper aus.

 

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Uralte Trockenmauern auch im unmittelbaren Bereich der Naturtheater-Kulisse. Wenigstens hat man diese Überreste nicht gänzlich beseitigt. Was bereits zerstört wurde, ist unbekannt.

 

 

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… auch im rückwärtigen Teil des Versorgungsgebäudes.

 

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Unweit der Waldschenke befand sich bis vor noch nicht allzu langer Zeit eine immerhin fast 10 Meter lange abknickende Felshöhle, die in einer kleinen Kammer mündete. Dort lag auch schon zahlreiches Gestein am Boden, das mit der Zeit von der Decke herunter gekommen war. Peter Söhngen hat hierüber einen eindrucksvollen Bericht verfasst, als die Höhle noch zugänglich war, und berichtet von einem Ort, an dem unsere Altvorderen in vermutlich beeindruckender Form astronomische Messungen vorgenommen haben (Genaueres dazu s. Link). Kurz nach ihrer Entdeckung/Aufarbeitung wurde die Höhle von den Behörden zugeschüttet. Ein übliches Verfahren – angeblich, um die Sicherheit vor Ort zu erhöhen. An einer Untersuchung bestand kein Interesse.

 

Hier die Stelle, an der sich die Höhle einst befand:

 

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Wie auch am Beispiel des Jägerhauses (bei Heilbronn) haben wir es hier erneut wieder mit einer Abbruchwand zu tun, die beim besten Willen keine ist, sondern uns nur als solche verkauft wird. Auf den ersten wie auch auf den zweiten Blick wird deutlich, dass hier klassische Steinbrucharbeiten – wenn überhaupt – nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben können. Die untere Hälfte der vermeintlichen Abbruchwand ist so glatt, als wäre sie nachgeschmirgelt worden. Keinerlei Vorsprünge, zerklüftete Felsen – alles ist so glatt wie ein Kinderpopo. Hier handelt es sich keineswegs um die Abbruchkante eines Gewinnungsbetriebs. Weder damals, noch heute. Ich lasse deshalb einmal die Bilder für sich sprechen, um hier an den gesunden Menschenverstand zu appellieren. Selbst wenn sich aus der Leserschaft niemand als Bergbauprofi bezeichnet. Und: Nein, solche Abbruchkanten in Steinbrüchen gibt es nicht. Glaubt es mir, ich bin praktisch monatlich in Steinbrüchen unterwegs.

 

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Spitze Winkel im Bereich des Parkplatzes auf beiden Seiten der angeblichen Abbruchkante, die sich über 200 Meter hinweg erstreckt. Solche Abbruchkanten sind nicht zu realisieren, sofern man nicht über besonderes Werkzeug verfügt, das dazu auch noch entsprechende Spuren hinterlassen würde. Mit klassischer Steinbrucharbeit hat dieser Ort jedenfalls nichts zu tun.

 

An der unteren Abbildung kan man erkennen, dass der Abschliff in unterschiedlichen Schichten/Stufen erfolgte, wobei die jeweils nächsthöhere weiter hervorsteht als die darunter liegenden Bilder (3+4). Auf der umlaufenden anderen Seite ist das Phänomen gegenläufig, d.h. man hat von oben nach unten gearbeitet. Im ersten und zweiten Bild dürfte allerdings von unten nach oben "geschnitten" worden sein.

 

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Ab hier stehen die unteren Schichten stärker hervor.

 

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Die Gesamtwand verläuft in Ost-West-Richtung.

 

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Ausbrüche der einstigen Naturwand wurden präzise und scharfkantig abgetrennt. Motorsägen sind sicherlich in der Lage, einzelne Partien an Vorsprüngen abzutrennen. Aber solche Riesenflächen? Und schließlich sollte man die Frage stellen: Wann soll das geschehen sein … ?

 

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Die imposante Wand bildet heute die Rückwand eines Parkplatzes.

 

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Man darf sich deshalb die Frage stellen – wenn schon kein Steinbruch, womit haben wir es dann zu tun? Hier begeben wir uns auf spekulatives Glatteis. Im Grunde wird es nämlich immer interessanter und mysteriöser, je tiefer man gräbt bzw. auf je mehr Details man achtet. Da wären zum einen die zahlreichen bzw. unzähligen Trockenmauern, die uns – wie auch beim Aufenthalt im Jägerhaus – als Abraumhalden verkauft werden sollen.

 

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Immer wieder tauchen Felsabschnitte auf, die glatt beschnitten zu sein scheinen. Direkt rechtwinklig oder in höheren Schichten schließen sich mitunter Natursteinmauern direkt an, die unter Moos und Lauf zuweilen kaum noch zu sehen sind.

 

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Again and again, smooth rock faces alternate with dry stone walls - often slightly offset one above the other. Could we be dealing here with the remains of pyramid structures that continued in steps upwards? Had the closed rock wall at the bottom once been used as a stable base for the pyramid? In any case, one can assume that this was a large complex.

 

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Ich nehme hier mal kein Blatt vor dem Mund, wenn ich davon ausgehe, dass wir es hier mit einer Unmenge an Cairns oder einem ursprünglich einmal zusammhängenden Cairnkomplex zu tun haben, der wohl an zahlreichen Stellen ramponiert ist. Die Chuzpe muss man erst einmal haben, solche Fakten zu ignorieren oder herunterzureden. Überall stehen perfekt erhaltene Trockenmauerstrukturen, die bis zu 5 Metern oder höher sind. Man kann uns nicht allen Ernstes weis machen, wir hätten es hier mit willkürlich aufgehäuftem Abraum zu tun, der teilweise solch geometrische Präzision aufweist. Auch wenn sie (Archäologen der Neuzeit) damit gemeint haben, der Abraum befände sich hinter den Mauern. Nein, dort ist er auch nicht bzw. das wäre völlig unüblich. Warum hätte man dafür solche aufwändigen Mauerkonstrukte kreieren sollen. Manche von ihnen stehen auch direkt im Anschluss an die vermeintliche Abbruchwand.

 

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Man findet zwar überall Bearbeitungsspuren, die auf einen Abbau schließen lassen, doch sind diese auch recht unterschiedlich. An anderer Stelle erkennt man auch die Schraffurmuster, die nicht auf klassische Abbautechnik zurückzuführen sind.

 

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Auch abseits vom Parkplatz stößt man immer wieder auf glatte Felswände, die eine imposante Kulisse abgäben, wenn sich die Vegetation ihrer nicht bemächtigen würde (oder die Archäologie ein fundiertes Interesse an deren Freilegung hätte). 

 

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Wie der Wiederentdecker dieser möglichen Kultstätte hatte Bernd Krautloher bereits 2018 äußerte: „In das Naturtheater sind seit 1956 tausende Leute gegangen und niemand hat die Kultstätte als solche erkannt.“ Wer hieran Zweifel hegt, möge gerne plausiblere Lösungen präsentieren.

 

Eines der wenigen Male, dass sich die örtliche Presse um dieses Thema kümmert – hier ein Zeitungsartikel aus dem Jahre 2020.

 

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Wer sich das Naturtheater einmal persönlich ansehen möchte, ist herzlich eingeladen:

 


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