© Spurensucher - 05. September 2017

Normannischer Dolmen gegen Kopfschmerzen

 

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119 Meter über dem Meeresspiegel, nur wenige km in der Nähe des kleinen Seeortes Bretteville-en-Saire, befindet sich eine Allée couverte. Deutsche Wissenschaftler würden dieses 17 Meter lange Monument in der Normandie reflexartig als Galeriegrab bezeichnen, da sich diese Form – wenngleich in zumeist kürzer Variante – in Westeuropa (einschließlich Deutschland) keine Einzelfälle darstellen. Diese sogenannte Galerie de la Forge ist seit 1862 Bestandteil der sogenannten Liste historischer Denkmäler.

"La Forge" lässt sich wörtlich mit "Schmiede" übersetzen. Mir ist nicht bekannt, wir hier seinerzeit Assoziation mit einer Schmiede zustande kam.

 


Normannischer Dolmen in Bretteville-en-Saire... von

 

Ich habe die Anlage im August mit massiven Kopfschmerzen besucht und habe mich nur wenige Minuten auf eine der tonnenschweren Deckenplatten zum Meditieren gelegt. Diese verschwanden praktisch augenblicklich. … Zufall oder nicht – ich war äußerst überrascht.

 

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Abbildungen: Zahlreiche Bearbeitungsspuren an den tonnenschweren Stütz- und Deckenplatten

 

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Hier wieder interessant: Die Form-Anpassung der tonnenschweren Deckenplatten an die Auflage

 

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Wenn man sich die tonnenschweren Felsen ansieht, aus denen die Deckenplatten angefertigt wurden und die auch als Stützen verwendet wurden, kommt einem als Nichtgeologe sofort in den Sinn, dass hier grobkörniger schlechter Beton verwendet wurde. Das ist allerdings keineswegs der Fall. Es handelt sich vielmehr um sogenannte Konglomerate: Grobkörnige Sedimentgesteine, die zu 50 % aus Kies oder Geröll bestehen und durch ein feinkörnige Matrix verkittet wurden. Wie wir dabei lernen können, entstehen solche Felsen aus Ablagerungen von Flüssen hoher Transportleistung oder sie bilden sich an Erosionsküsten. Es ist also durchaus wahrscheinlich, dass diese Felsen vor Urzeiten von der nahen Küste heraufgebracht wurden.

 

Beide folgenden Abbildungen: Grobkörnige Sedimentgesteine, optisch wie schlecht gefertigter Beton.

 

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Ein einzelner Granitstein als Stützstein mit 12 Bohrlöcheransätzen befindet sich zwischen allen anderen. Jedoch auch zahlreiche der dortigen Decken- und Stützfelsen weisen markante Bearbeitungsspuren auf.

 

Abbildungen: Postkarten Anfang des 20. Jhd./vor der Restauration in den 70er Jahren

 

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Bevor man das Monument "La Forge" nannte, gab der Autor Ragonde 1833 dem Dolmen den Namen "Cist-Vean", eine bretonische Bezeichnung für wacklige Steine. Er behauptete auch, dass sich hier vornehmlich religiöse Zeremonien abspielte (Anspielung auf die Deckenplatte der Südseite als "Opfer- oder Zeremonientisch"). Wie er darauf kam, wurde nicht weiter untersucht. Untersucht wurde überhaupt etwas ohnehin erst in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

 

Nachstehend: der Restaurierungsplan

 

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Man fand wie gewöhnlich bei Ausgrabungen an solchen Stätten keinerlei Hinweise auf ein Grab, lediglich ein Tongefäß, Ohrschmuck und Feuersteine (zu besichtigen im Emanuel Liais Museum in Cherbourg). Allerdings fand man dort keinerlei Gebeine oder sterbliche Überreste. Dennoch ist man von einer Grabstelle überzeugt. Da man hier im Laufe der letzten 150 Jahre immer wieder Veränderungen und "Restaurationen" der Anlage vorgenommen hat, kann man die ursprüngliche Lage der einzelnen Deckenplatten, die noch vorhanden sind, nur erahnen. Ein paar von ihnen sind jedoch möglicherweise nicht großartig verändert worden. Alte Aufnahmen vermitteln einen Eindruck davon, wie die Anlage vor der "Restauration" in den 70er Jahren aussah.

 

8 Deckenplatten bedecken heute die Allée Couverte.

 

Die Ausrichtung der Anlage ist Nordwest-Südost. Die Wissenschaft ist hartnäckig davon überzeugt, dass diese Anlage das Fundament eines Tumulus ist bzw. war. Die äußeren kleineren Felsen, die den Dolmen flankieren, sollen die äußeren Begrenzungen eines Hügelgrabs gewesen sein. Dazu mag sich jeder sein eigenes Weltbild basteln.