© Spurensucher - 20. Februar 2017
Diverse

Pyramide als Fußabtreter für's Militär: Baka in Saujet-el-Arjan

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Sarkophag oder etwas ganz anderes? Der ovale Öffnungsausschnitt im "Kellergeschoss" der Baka-Pyramide. (Franck Monnier, photo de la cuve de la grande excavation de zaouiet el-aryan (Aufnahme von 1905)) 

 

Die Entdecker bezeichneten sie als 13. Pyramide, allerdings kann heute niemand mehr sagen, ob es überhaupt eine werden sollte: Die Rede ist von der Grabkammer der Baka-Pyramide, deren quadratische Grundfläche von 200 x 200 Metern bereits in den Jahren 1905 bis 1912 vom italienischen Archäologen Alessandro Barsanti näher unter die Lupe genommen wurde.

 

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Querschnitt des Fundamentes mit Treppe, Zugangspassage (Süd-Nord-Verbindung) und Querschacht. (Zeichnung Franck Monnier)

 

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Steile Treppe der Zugangspassage

 

Offiziell entdeckt und ausgegraben wurde die Baka-Pyramide allerdings bereits in den Jahren 1842 und 1846 vom deutschen Ägyptologen Karl Richard Lepsius. Offenbar ging man seit der ersten Stunde davon aus, dass es sich hierbei um eine Grabkammer handelte. Das war es dann aber schon mit dem öffentlichen bzw. staatlichen Interesse in dieser Angelegenheit.

 

Fundstätte als Bühnenbild für Hollywood-Streifen

Offenbar machte man sich keinerlei große Mühe, die Ausgrabungsarbeiten seit dem Tod Barsantis 1917 weiter fortzusetzen, denn die unfertige Bau- und Ausgrabungsstelle wurde mehr oder weniger über die Jahre wieder zugeschüttet. Erst 1954 kam man bei den Aufnahmen des Films „Land der Pharaonen“ wieder auf die Idee, den Fundort von Schutt und Sand freizuräumen, um die Filmkulisse nicht zu beeinträchtigen.

 

 

Man kann sich die altertümliche Stätte lediglich über den mittlerweile auch schon 60 Jahre alten Hollywood-Schinken ansehen. 

 

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Baustelle zum Zeitpunkt der Ausgrabung

 

Im Zweifel eine Nekropole … auch wenn Zweifel bleiben

 

Seit der Monumentalverfilmung gab es auch weiter keine archäologischen Aktivitäten, das rätselhafte „Kellergeschoss“ zu untersuchen, deren „Erd- bzw. Obergeschoss“ nie fertig wurde … wobei man ohnehin nicht weiss, ob das überhaupt jemals geplant war. Bestandteil der Anlage ist eine Zugangspassage mit 106 Meter langer „Keller“-Treppe und einem (Grab?-)Schacht von 25 - 27 Metern länge und 21 Metern Tiefe. Die Fußbodenverkleidung besteht offenbar aus massiven Granitblöcken mit polierten Oberseiten, jeweils 4,5 m lang und 2,5 m dick (einzeln etwa 9 t Gewicht).

 

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Sarkophagöffnung oder etwas anderes? Selbst eingefleischte Ägyptologen betrachten diesen Sarkophag als "ungewöhnlich". Sie kämen allerdings auch nicht auf die Idee, eine andere Idee zuzulassen. Die Tatsache, dass er in einen der Fußbodenblöcke eingebettet wurde, scheint auch niemanden nachdenklich zu stimmen. Hier die Zeichnung des Deckels und der Öffnung. Zitat Wikipedia: "Der Deckel misst außen 2,95 × 1,90 m, innen misst er 2,49 × 1,46 m, die Dicke des inneren Kragens beträgt etwa 23 cm. Deckel und Sarkophagöffnung schlossen dank ihrer Verkragungen bei Verschließung passgenau ab. Alessandro Barsanti gibt in seinen Grabungsberichten an, es seien spärliche Überreste eines Begräbnisses im Innern des Sarkophages entdeckt worden. Seltsamerweise wurden diese jedoch nie genauer untersucht und sind inzwischen verschollen." Da auch keine Grabbeigaben gefunden wurden, klingt die "Grabtheorie" wie ein ägyptischer Evergreen.

 

Was ebenfalls imposant zu sein scheint: Der sarkophagähnliche Behälter hätte nicht durch die Zugangspassage gepasst und wurde darum wohl auch während der Fundamentlegung über den Hauptschacht hinabgelassen wurde (nach Wikipedia-Behauptung). Bei diesem Gewicht schon mal ein Kunststück, vermute ich. Wenn man sich die Abbildung und Öffnung des angeblichen Sarkophags einmal näher anschaut, muss man sich gegebenenfalls die Frage stellen, ob es sich hier wirklich um eine Grabstelle gehandelt hat.

 

 

Schicht im Schacht: Pyramidenfundament als Müllkippe im Militärgelände

 

 

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Schachtabschnitt im Zuge der Ausgrabung 19./20. Jahrhundert. Es gibt keine neueren Aufnahmen, die bekannt gemacht wurden.

 

Was weiss man noch über die Pyramide, die gar keine war (und vielleicht auch keine werden sollte?): Es soll Arbeitergraffities gegeben haben, die man dort fand. Diese liegen allerdings nicht im Original vor, sondern lediglich als Abzeichnungen, über die man sich in der Wissenschaft streitet. Daraus will man ableiten, dass Barsantis Aufzeichnungen möglicherweise auch Informationen über den damaligen Auftraggeber/Herrscher preisgeben. Das ist allerdings nicht der Fall, da die Ausgrabungsberichte ungenau und mißverständlich sein sollen und sich zahlreiche Wissenschaftler darüber streiten. Klare Hinweise über die Zeit und den Erbauer gibt es also definitiv keine.

 

Man darf sich ernsthaft die Frage stellen, warum lediglich 8 km von Gizeh entfernt eine solche touristische Sehenswürdigkeit heute als Müllkippe benutzt wird. Das ist offenbar der Fall – zumindest der "Grabschacht" wird als solcher genutzt. Falls es sich wirklich um eine Nekropole gehandelt haben sollte, dürfte dieses Vorgehen als unmißverständliche Mißachtung gedeutet werden. Wollte man darüber hinaus etwas vertuschen, ist es mit dieser Aktion auch recht gut gelungen. Die Baka-Pyramide liegt innerhalb eines militärischen Sperrgebiets, während die Anlage auch zum großen Teil mit Bungalows überbaut wurde. Deren Zustand soll nach Zeugenaussagen desaströs sein. Erneute Ausgrabungen sind nicht gestattet. Was will man hier unter den Teppich kehren … ?

 

Standort auf Google Maps Karte innerhalb des Militärgeländes: Der Ausgrabungsort wurde bewusst überbaut und übermüllt.

 

 

 

Über diesen >> Link gibt es weitere Ausgrabungsdetails aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts (Ab S. 245 ff.)

 

 

 

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