© spurensucher - 26.04.2020

Forts und Berge in Indien: Pyramiden durch Terraforming?

Auf meinen virtuellen Streifzügen durch die riesigen Landstriche Indiens stolpere ich immer wieder über 3-400 Jahre alte Fortanlagen auf großen Anhöhen bzw. im Umfeld interessanter Topografien, deren Strukturen Erinnerungen an weitaus ältere Landschaftsformen oder gar monumentale Bauwerke wecken.

 

Visapur viewed from Lohagad

 

Das Fort Visapur vom benachbarten Fort Lohagad aus fotografiert. Nur aus dieser Entfernung sieht man parallel laufende Kanten und geometrische Strukturen (Bildquelle) des gesamten Bergs unterhalb des Forts.

 

Dass Festungen nicht selten in luftigen Höhen installiert wurden, um das Gelände verteidigungstechnisch gut im Blick zu halten bzw. um möglichst uneinnehmbar zu sein, zeigt sich eindrucksvoll am Fort Visapur in der Gegend von Mumbai. Die Festung ist größer und höher gelegen als das Zwillingsfort Lohagad. In der Festung bzw. im Hochplateau befinden sich Höhlen, Wasserzisternen, ein geschmückter Bogen, alte Häuser und sauber in den Hang "geschnittene" Treppenaufgänge. Anfang des 17. Jahrhunderts soll es erbaut worden sein, die Engländer haben es ca. 100 Jahre später gekapert, um es als Ausgangsort für weitere Plünderungen zu nutzen.

 

Manche zeigen klare Kante

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Visapur wurde auf einer Hochebene von 1084 Metern über dem Meeresspiegel errichtet und befindet sich auf gleicher Linie wie das Fort in Lohagad. (Bildquelle)

 

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Harmonisch eingebettet, wie ein nicht wegzudenkender Teil des gesamten Berges: Dieses Foto zeigt die Befestigungsmauer der Festung Visapur, die als "Tatbandhi" bezeichnet wird. Es wurde während der Monsunzeit von einem Wandfenster der Festung Visapur aus aufgenommen. (Bildquelle)

 

Man muss schon räumlich etwas Abstand nehmen und sich ernsthaft fragen, ob die Geomorphologie dort natürlichen Ursprungs ist, sprich: das Ergebnis glazialer Prozesse, Erosion oder eruptiver Vorgänge. Phantasiereiche Betrachter wie ich kommen nicht selten auf die Idee, dahinter menschliche Aktivitäten zu vermuten, um sich die scheinbar gradlinigen Geometrien dieser Berglandschaften zu erklären. Zumindest ist mir hier die Festung Visapur besonders im Gedächtnis geblieben.

 

Persönlich weiss ich zwar nicht, ob man hier adhoc von Pyramidenstrukturen sprechen darf, die später die Unterlage einer klassischen Festung boten. Doch gebe ich zu, dass dieser Gedanke verführerisch wirkt.

 

Lohagad_-_Winchu_Kata

Lohagad - Der Skorpionschwanz: Der Bergrücken trennt die Becken der Indrayani und Pavna und liegt auf einem Seitenarm des Sahyadris. An seiner Ostseite befindet sich die Festung Visapur. Die vier großen Tore von Lohagad sind noch in gutem Zustand und einigermaßen intakt. Historische Aufzeichnungen zeigen, dass in der späteren Peshwa-Periode Nana Phadnavis (1742-1800 n. Chr.) mehrere Strukturen im Fort errichtete, wie einen großen Tank und einen Stufenbrunnen (bawali). Auf der Westseite befindet sich ein langer und schmaler, mauerartiger, befestigter Sporn, der wegen seiner Form Vinchukata (Marathi für Skorpionsschwanz) genannt wird. (Bildquelle).

 

Hier nochmals der Skorpionschwanz aus einem etwas anderen Blickwinkel (Bildquelle):

 

Vinchu Kata

 

Johann Georg Krünitz schrieb (Quelle) bereits 1776: "Was das Vaterland der Diamanten anbetrifft, so liefert uns solche nunmehr Ost- und West-Indien. Die erstern, oder orientalischen, kommen aus einigen Provinzen des großen Mogols, dem Königreiche Visapur …" Allerdings sollen sie (damals) im Sande der Flüsse vorgekommen sein. Ein interessanter Hinweis zur Verwendung von Diamanten aus grauer Vorzeit: "Erst im 13. Jahrhundert entdeckte man, dass sich Diamanten bearbeiten lassen, was jedoch in Indien abgelehnt wurde, da die Steine so angeblich ihre magischen Kräfte verlieren könnten." (Quelle). Warum komme ich auf Diamanten? Ich habe mich mal etwas umgesehen, wie Diamantenminen für gewöhnlich aussehen. Es gibt schon die eine oder andere Tagebaumine, die der Landschaftsstruktur bei Visapur und Co. ähnelt. Davon gleich mehr. Hier jedoch zuvor noch ein paar weitere Beispiele, die beeindrucken und für mich den Eindruck vermitteln, als wäre hier die Landschaft bearbeitet bzw. geformt worden.

 

Terraforming in Indien? Der Blick auf Lohagad von Visapur aus lässt die Vermutung zu, dass hier irgendwann einmal mit hochtechnischem Aufwand Strukturen geschaffen wurden, da angesichts solch auffälliger Parallelitäten zumindest optisch eine solche Betrachtungsweise zulässig ist. 

 

1280px-Lohagad_as_seen_from_Visapur

 

Aussichtspunkt auf die Spitze getrieben

Sie befindet sich auf 700 Höhenmetern und man kann sie nur nach einem 3-stündigen Aufstieg über steile enge Treppen erreichen. Die Rede ist von Kalavantin Durg, einer "Festung" in den Western Ghats – ebenfalls in der Nähe von Mumbai. Blogger schreiben, man würde beim Aufstieg zahlreiche Geröllhalden passieren (Quelle). Der Ausblick soll allerdings atemberaubend sein, wenn man erst einmal oben ist. (Bildquelle Wikimedia Commons). Der eine oder andere Trekker hat auf diesem Weg allerdings auch schon sein Leben gelassen.

 

Kalavantin_Durg_web

Das mit den Geröllhalden erscheint mir interessant zu sein, allerdings fehlen mir nähere Angabe darüber, in welchem Umfang diese dort vorzufinden sind. Historiker sind sich darüber einig, wenig bis nichts über die Vergangenheit und Entstehung dieser Struktur wissen. Die Spitze dieses Riesenfelsens diente übrigens zu keiner Zeit als Festung, sondern bestenfalls als Aussichtsposten.

 

Wikipedia stellt Mutmaßungen über die Bearbeitung der Spitze und der Aussichtsstrukturen an, die ins 16. Jahrhundert zurückreichen. Rohit Pralhadrao Kale schreibt jedoch in seinem Buch "Rajwata: Aavishkar Gad Killayacha", dass Zeitzeugen die Enstehung zurückdatieren auf 500 v. Chr., angeblich zu Ehren einer Königin mit Namen Kalavantin. Rätsel und Mysterien um diesen Ort gibt es jedenfalls zuhauf, Fakten allerdings sind nur spärlich vorhanden. Die geologische Struktur ist Granit, die Befestigung ganz oben wurde aus dem Berg herausgearbeitet. Die Wände sollen besonders dick und stark sein.

 

Je nach Wetterlage und persönlicher Verfassung kann bei einem ungesicherten Aufstieg auch schon mal etwas schief gehen. (Bildquelle Wikimedia Commons)

 

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Aufregend und nichts für schwache Nerven bei schlechtem Wetter: Der Auf- oder Abstieg von Kalavantin Durg.

 

 

Fortschrittlich ausgeschnitten

 

Hier die Ansicht des sogenannten Hadsar Forts, was ebenso monolithisch wirkt wie die erstgenannten Beispiele. Obwohl ich geologische Zufälle nicht ausschließen möchte, sind diese Strukturen schon sehr eben, gradlinig und damit auffällig. 

 

Die Einzigartigkeit dieser Festung liegt in der Konstruktion des Eingangstores. Das Eingangstor, die Räume für die Wachposten, die Wasserzisternen, die Stufen zum Fort – alle sind aus einem einzigen Felsen gemeißelt. Wenn man sich das genauer anschaut, fragt man sich schon recht beeindruckt, welche Techniken hier wohl zum Einsatz gekommen sind.

 

(Bildquelle des Eingangstores: Wikimedia Commons)

 

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An der Spitze des Forts befindet sich der Mahdev-Tempel der Mahdev-Tempel (ein simpel gemauertes kleines Bauwerk, was wir heutzutage eher als Kapelle bezeichnen würden und was bautechnisch nichts mit den anderen Felsarbeiten zu tun hat bzw. vermutlich erst viel später aufgesetzt wurde). Darin befinden sich aus Stein gehauene Idole von Ganesha, Garud und Hanuman. Als Teil der Anlage gibt es einen See, vermutlich aus dem Felsen gehauen. Die Anlage soll geschätzt auf das 15. Jahrhundert zurückgehen, allerdings ist es aus meiner Sicht nicht auszuschließen, dass sie deutlich älter ist. Das Ganze sieht mir – wie bei manch anderen "Forts" von der Ausstattung her – eher nach Heilzentrum oder heiliger Stätte aus, die in grauer Vorzeit häufig exponiert "zwischen Himmel und Erde" erbaut wurde.

 

Hadsar Fort (Parvatgad)Trek

 

Beeindruckende Gesamtansicht des Hadsar Fort – wie auf einem "Schiffsrumpf": Bildquelle und Urheber (Gourav Shah) - Klick auf das Bild; die Doppelrumpf- oder Herzform sieht man ganz gut auch hier im Bild.

 

Aus der Vogelperspektive ebenfalls recht beeindruckend:

 

  

Je näher man herankommt, umso deutlicher erscheint einem die Kompaktheit bzw. die fast schon "geschliffene" Form eines Monolithen. (Bildquelle Wikimedia Commons)

 

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Symmetrie wie bei Pyramiden: Das Salher Fort und das Salafort

 

Weg von den Bügeleisenformen, hin zu den Pyramidenstrukturen. Das Salher Fort befindet sich im Nasik-Distrikt von Maharashtra, Indien. Es ist der Standort des höchsten Forts in den Sahyadri-Bergen und mit 1.567 Metern der zweithöchste Gipfel nach Kalsubai in Maharashtra bzw. der 32. höchste Gipfel in Western Ghats. Es handelt sich angeblich um eines der berühmtesten Forts des Maratha-Reiches. OK, Lehmziegel oder Einzelkomponenten sind hier nicht auszumachen, dafür eher die Pyramidenform eines geschliffenen Berges. Auch wenn der Vergleich hinkt, optisch ist diese Struktur näher an einer Pyramide dran als die ägyptische Pyramide von Sesostris, dem II. Naja, es ist eben die bestechende Optik, die solche Vergleiche zu nachweislichen bautechnischen Strukturen aufwirft. Geschichtlich fanden hier bereits zahlreiche kriegerische Auseinandersetzung statt. Die Ereignisse lassen sich jedoch nur bis ins 17. Jahrhundert zurückdatieren, über die Zeit davor gibt es offenbar keinerlei Erkenntnisse.

 

1280px-Salher_Fort

Salher Fort, auf der Spitze des Berges; Bildquelle Wikimedia Commons

 

Selbstverständlich wurde hier nichts aus Blöcken errichtet, ebensowenig wurd hier Erde aufgeschüttet, aber was wäre, wenn man diese Form in einem intensiven Tagebaubetrieb herausgearbeitet hätte. Terraforming im "groben" Stil mit einer Symmetrie bzw. gleichmäßigen Abtragung der Seitenflanken – speziell im oberen Bereich würde ich zumindest eine gleichmäßige Erosion persönlich ausschließen. Wann dies geschehen sein mag und mit welchen Mitteln, ist mir ebensowenig klar, da ich hier bestenfalls spekulieren kann.

 

Ein ausgeschnittener Brunnen auf dem Hochplateau des Salher Fort. Bildquelle Wikimedia Commons

 

Salher_Fort3

 

 

In den Fels gehauene Stufen am Salher Fort, Bildquelle Wikimedia Commons

 

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Spitzt sich auf der Höhe des Salher Forts nochmals zu: Der Parshuram Temple sitzt zuoberst, nicht größer als eine Schrebergartenhütte – dafür aber sehr exponiert; Bildquelle Wikimedia Commons

 

Parshuram_Temple_Salher_Fort 

Ebenfalls eine Spitzenbesetzung in unmittelbarer Nachbarschaft zum Salher Fort bildet das sogenannte Salotafort. Der Blick bzw. die Perspektive vom Salher Fort aus zeigt, dass die Struktur des Nachbarberges ähnlich ist. Aufzeichnungen zur Geschichte dieses Forts auf der Bergspitze gibt es praktisch nicht.

 

Salotafort, Bildquelle Wikimedia Commons

 

1280px-Salotafort

 

Befürworter der Idee, dass Landschaften wie der Grand Canyon und Landschaften wie diese hier in Indien möglicherweise das Ergebnis eines ausgiebigen Tagebaubetriebs sein könnten, stoßen bei mir nicht gleich auf taube Ohren. Ich bin mir nicht so sicher, ob wir es hier mit Terraforming - Prozessen zu tun hatten, die symmetrische Pyramiden schaffen sollten. Allerdings kann ich mich bei diesen Strukturen durchaus mit der Idee anfreunden, dass hier eine ausgiebige Landschaftsmodellierung durch fortschrittliche Techniken stattgefunden haben könnte. Wie eingangs erwähnt, wurden in vereinzelten indischen Regionen seit jeher Diamanten abgebaut. Sofern man sich zeitgenössische Tagebaubetriebe wie Argyle Diamantmine in Westaustralien anschaut, könnte ich mir vorstellen, dass einst diese Landschaft hier ebenso intensiv ab- und umgebaut wurde. Selbst wenn es sich letztendlich nicht oder nicht nur um Diamanten gehandelt haben könnte. Dass die Terrassierung heute nicht mehr so ausgeprägt ist wie seinerzeit zum Zeitpunkt des Abbaus, könnte wirklich ein Ergebnis Jahrtausende alter Erosionsprozesse sein.

 

Argyle Diamantmine in Westaustralien; Bildquelle Wikimedia Commons

 

Argyle_Diamond_Mine