02. August 2016 – © Spurensucher

USA: Grundschüler in Satanistenclubs

Wenn Grundschüler nachmittags nichts besseres vorhaben, können sie künftig auch mal beim Satanistenclub reinschaun. Die >> Washington Post berichtet am 30. Juli von den Bemühungen einer Organisation, die sich Satanic Temple (Satanischer Tempel) nennt, am klassischen Grundschulbetrieb anzudocken.

 

Doug Mesner alias Lucien Greaves, Mitbegründer und Sprecher der "Satanistentempel"-Vereinigung, scheint es mit seinem Anliegen ernst zu meinen, ein Pendant für christlich evangelische Gruppen ins Leben zu rufen. Nach seiner Auffassung sind die christlichen Verbände ohnehin seit eh' und je fleissig dabei, die Schüler zu infiltrieren bzw. zu programmieren. Darunter fällt der sogenannte Good News Club, 1937 gegründet vom Child Evangelism Fellowship. Mesner möchte deshalb auch gerne ein Stück vom "Seelenkuchen" ab haben. Unabhängig von seinen wirklichen Zielen gibt er sich völlig liberal, denn er findet: "Es ist wichtig, dass Kinder begreifen, dass es zu allen Fragen mehrere Perspektiven gibt und dass sie eine Wahl haben". Hört hört …

 

Anbei das mit satanistischen Elementen gespickte Promo-Video des "After School Satan Clubs" (kurz: ASSC)

 

 

Die juristischen Weichen sind gestellt

Mesner zieht alle Fäden, um vor Beginn des kommenden Schuljahres die Eintrittskarte für den Schulbetrieb zu bekommen und wenigstens bei einzelnen ausgewählten Grundschulen Fuß zu fassen. Da die CEF selbst bereits 3560 Newsclubs an 5 % der öffentlichen Grundschuleinrichtungen vertreten ist, malt sich Mesner gute Chancen aus und stützt sich auf die Prämissen der Religionsfreiheit. Das Liberty Counsel hat für die Protestanten die entssprechende Vorarbeit geleistet und dadurch den Satanisten den Weg geebnet – nach hochrichterlicher Entscheidung des U.S. Supreme Court. Mesner ist ihm dafür sehr verbunden.

 

Der Mitbegründer des Tempels bezeichnet "Satan" nur als eine Metapher, die zum Ausdruck bringen soll, dass Freiheit gegenüber allen Formen menschlicher Tyrannei und Unterdrückung die Nase vorn hat. Auch das Mitgefühl gegenüber seiner Mitmenschen spiele eine entsprechende Rolle. Wie er bei solch' ehrenwerten Zielen zu dieser Namensgebung kommt, lässt er allerdings offen … es fragt ihn offenbar auch niemand.

 

Mesner hat sich im Rahmen seines Clubprogramms vorgenommen, die soziale Kompetenz sowie das kritische Hinterfragen üblicher Denkgewohnheiten seiner Schützlinge zu fördern. Er möchte im Gegensatz zum Schwarz-Weiss-Denken der anderen Glaubensbrüder den Kindern die diffuse Angst vor der Hölle nehmen und sich auf die Wertschätzung der Natur zu konzentrieren. Er möchte damit einen Kontrast zur moralverpflichtenden ("abergläubischen") Denkweise der Protestanten und ihre spirituellen Ausrichtungen setzen.

 

Befürworter hoher Fakultäten

Einzelne Befürworter gibt es schon, die den Versuch mit dem Satanisten-Tempel starten möchten und ohnehin nichts mit Spiritualität am Hut haben. Insbesondere den Wissenschaftlern, die rationale Denkmuster bevorzugen und nicht selten Agnostiker sind, kommt der Einzug einer entsprechenden Organisation wie gerufen. Sie empfinden dies als Akt einer gelebten Religionsvielfalt und bewundern insgeheim vor allem die rationalen Denkstrukturen, die darin gefördert werden sollen. Hier die Liste der >> ersten Schulen, die laut Ankündigung der "Clubveranstalter" mit den Satanisten "anbändeln" möchten. 

 

Wen wundert's da noch, dass sich der Satanistentempel via Crowdfunding längst auf den Weg gemacht hat, jetzt nur noch die nötigen Mittel zu akquirieren. Ob die Liste der edlen Spender dazu wohl veröffentlicht wird?

 

Auf einer turbulenten Stadtverordnetenversammlung in Pensacola – begleitet von zahlreichen Christen, die dem Tempel Paroli bieten wollten – präsentierte sich der düstere Mitbegründer des Satanistentempels, David Suhor (48), selbstsicher in Wort und Gesang.

Trotz der mitunter gespielten Empörung des Mainstreams scheinen die Bemühungen der Satanistenanhänger zu fruchten. Es ist zudem erstaunlich, dass die Washington Post mit dieser Thematik und zahlreichen Berichten recht "rücksichtsvoll" umgeht. Möglicherweise möchte man diese Institution durch relativierende Argumente ja doch auf Dauer hoffähiger machen, als es einer "neutralen" Berichterstattung gebührt.

 

>> Zum Originalartikel der Washington Post