© Spurensucher - 31. Januar 2020

Freigespült: Säulen der Erde am Half Moon Bay

 

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Fernansichtsicht des Ritz Carlton oberhalb der Steilwand; markierte Erosionsstelle

Bildquelle: "The Ritz Carlton" by nlapresca is licensed under CC BY-NC-ND 2.0

 

Das Hotel Ritz Carlton am Half Moon Bay ist idyllisch gelegen: Direkt an der Küste mit erhöhtem Blick über den Pazifik und in unmittelbarer Nähe von San Francisco lädt das Urlaubsresort zu kurzweiliger Ablenkung von der Großstadt ein. Weite Strände, eine noch weiter zurückreichende Tradition als Stützpunkt für Rumschmuggler in der Ära der Prohibition und spanische Wurzeln, die nochmals mindestens weitere 100 Jahre zurückreichen, lassen auf eine bewegte Vergangenheit schließen.

 

Nahansicht unterhalb des Ritz Carlton wurde durch Erosion ein Säulenkonstrukt freigelegt, das Aufsehen erregt.

Public Domain; Quelle Pixabay Enki 09

 

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Das Ritz Carlton liegt ein gutes Stück zurückgesetzt hinter einem markanten Klippenvorsprung, der auf seiner Unterseite im Februar 2017 nach einem Sturm stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Eine Erosion unterhöhlte die obere Partie der Klippe und einiges an Erdmaterial wurde auf Nimmerwiedersehen abgetragen. Seitdem sieht man statt der Klippe einige handfeste freigelegte Säulen, die an Ruinen erinnern. Dabei soll es sich nach offizieller Aussage um ehemalige Stützpfeiler handeln, die 1972 errichtet wurden, um das darüberliegende Felsplateau zu sichern. Da das doch ein ganzes Stück dahinterliegende Ritz Carlton, egal ob mit oder ohne Felsenvorsprung, genügend Abstand zum Meer hat, stellte sich mir adhoc die Frage: Womit haben wir es zu tun?

 

Der Golfplatz des Anwesens oberhalb der Steilwand; Public Domain; Quelle Pixabay DanMSchell

 

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Man beeilte sich nach der natürlichen Freilegung zu erklären, dass die Klippenerosion ursprüngliche Stützen freigelegt hatten, die für den Bau des Ritz Carlton am oberen Rand des Vorsprungs, also viel weiter vorne zur Meerseite hin, vorgesehen waren. Erst später entschloss man sich allerdings, das Hotel weiter nach hinten zu setzen.

Ist so etwas denkbar? Man hat also in den 70ern des vergangenen Jahrhunderts ein Säulengerippe in eine Klippe bzw. Steilhang gelegt, gegraben oder vielleicht gegossen, um einen vorgesehenen darüberliegenden Hoteltrakt vor dem Absturz zu schützen?

 

 

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Über dem Plateau des Ritz Carlton bei Sonnenuntergang; Bildquelle: "Ritz at Sunset" by Robert Scoble is licensed under CC BY 2.0

 

Ein weiteres Rätsel stellt sich hier ebenfalls: Die umgestürzten Pfähle und Bewehrungen/Armierungen sollen für Arbeiten stehen, die für ein Hotel vorgesehen worden sein sollen, das erst sehr viel später, nämlich erst 2001 eröffnet wurde? Und das auch räumlich anschließend viel weiter zurückgesetzt wurde?

 

Ich muss zugeben, dass ich keine Ahnung von den örtlichen Gegebenheiten habe, um mir ein eigenes endgültiges Bild zu machen. Ich kenne nur Fotos, wundere mich jedoch sehr über diese bauliche Vorgehensweise in Zusammenhang mit einem neueren Hotel. Selbstverständlich könnte man sich vor Ort davon überzeugen, ob wir es hier mit echten Betonpfeilern zu tun haben. Für mich sieht es jedenfalls nicht so aus. 

 

Jemand in einem Forum äußerte sich so: „Ich habe mich in den Küstengemeinden herumgetrieben und kenne die Pfeiler, und diese sehen nicht wie typische Pfeiler aus, wenn sie das tatsächlich sind. Für mich sieht es so aus, als ob die derzeitige Struktur auf einer alten Struktur aufgebaut wurde, die jetzt enthüllt wird.“

 

Ein anderer schreibt: „Sie sehen für mich wie Stahlbeton aus, der an einigen Stellen auch herausgesprengt wurde. Meine unmittelbare Vermutung war, dass derjenige, der auf einem solchen Gelände baute/investierte, die Rückgewinnung des Meeres ernst genommen hätte. Ich habe genügende Beispiele gesehen, um zu wissen, dass man nicht neben einer offenen Meeresklippe baut, ohne in die Stabilität dieser Klippe zu investieren. Selbst mit einer solchen Investition gegen die Natur ist es eine geliehene Zeit.“

 

HalfMoonBayCalifornia.RitzCarlton_webHalfmoon Bay von der anderen Seite des Ritz Carlton; Wikimedia Commons; Bildquelle

 

OK, es muss ja kein Relikt aus der Antike sein, aber vielleicht etwas älteres als ein Stabilisierungsgerippe von 1972 für eine Hotelanlage. All das, um bestenfalls einen Golfplatz oder das Außengelände eines Hotels zu sichern? Außerdem hätte man dann ja auch bestimmt etwas Solideres geschaffen. Vielleicht handelt es sich ja um eine uralte Anlegestelle? Seltsamerweise ist nur ein kleiner Küstenabschnitt von etwa 25 Metern mit Säulen flankiert. Warum hat man ein solches Unterfangen dann nicht konsequent auf beiden Seiten des Vorsprungs durchgezogen? Ich empfehle hier die genauere Ansicht auf Google Earth.

 

Jemand anderer aus einem Forum spricht mir aus dem Herzen: „Ich schaue mir immer wieder die Videos und Bilder dazu an und finde es eine sehr seltsame Art und Weise, die Erosion zurückzuhalten. Gibt es noch andere Bereiche, die diese Methode der Felsverstärkung zeigen? … Auch wenn ich daran denke, wie sie das "Erosionssäulengerüst" gebaut haben, erscheint mir das sehr ineffizient. Die gigantischen Haufen von klobigem Gestein links von den Pfeilern, ja, das scheint erosionssicher zu sein, aber nicht die Pfeiler. Vielleicht liegt es nur an mir, aber das Fehlen von Baufotos, der Golfplatz, der sich scheinbar in der Nachbarschaft ein- und ausbreitet und im Grunde die ganze Stelle verdeckt. Irgendetwas scheint mir verdächtig. Ich schätze, es ist möglich, dass die Ingenieure in den 1970er Jahren sehr tiefe, breite Löcher am Rand der Klippe gebohrt haben, um die Hauptpfeiler mit Beton und Bewehrungsstahl zu füllen, und dann horizontale Gräben zwischen den Pfeilern ausgehoben und die horizontalen Stützen an den Pfeilern angelegt und befestigt haben. Es gibt ein Bild, das einen der Hauptpfeiler zeigt, der umgedreht ist und das Innere der Säule freilegt. Dieser scheint keinen Bewehrung zu beinhalten. Und wenn keine Bewehrung verwendet wurde, verstehe ich nicht, wie dieser gebaut worden sein sollte, um der Erosion stand zu halten…“

 

Hier ein paar Ausschnitte der Säulen und eindrucksvolle Bilder der Landschaft aus einem Drohnenflug 2015

 

 

 

Hier eine nähere Betrachtung der Struktur über einen aktuellen Drohnenflug nach dem Abriss mehrerer dieser Säulen. Diese etwas genauere Bestandsaufnahme führt zu weiteren Fragen.

 

 

Vielleicht ist es müßig, an dieser Stelle weiter zu spekulieren. Gab es möglicherweise in den 70ern keine Baugenehmigung für solche Bodenverstärkungen? Warum hätte man sich von so einer einzelnen Konstruktion einen solchen Abtragungsschutz versprechen sollen? Allerdings gibt es auch keinen öffentlichen Diskurs hierüber seitens des Mainstreams. Wenn man weiter gräbt, findet man in unmittelbarer Nachbarschaft den Ort Pillar Point Harbour … übersetzt: Pfeilerpunkt-Hafen. Interessanter Zufall. Was denkt Ihr darüber? Ich werde Neuigkeiten zu diesem Thema verfolgen und aktuell dann in diesem Artikel nachtragen.

 

Es wird darüber spekuliert, dass zwischenzeitlich diese Säulen beseitigt wurden. Zeitweise – wenn nicht sogar noch immer – soll der Strandabschnitt gesperrt worden sein. Sobald ich näheres erfahre, werde ich berichten.