© Spurensucher - 29. Januar 2021

Düsseldorf: Lost places (1) - Der Rheinmetall-Pavillon (Industrie-/Gewerbesausstellung 1902)

 

Rheinische Metallwaaren- und Maschinenfabrik_1902_Spurensucher

 

Richtig gehört: Ein Pavillon, angeblich soll es nämlich kein "echter" Bau gewesen sein. Wie hat man so etwas zustande gebracht? Sieht das für Euch nach einem simplen temporären Messebauschema aus (Stahl-/Eisengerüste mit Holz- oder Putzwänden)? Die Gebäude sollen hauptsächlich aus feuersicheren Gewölb- und Drahtputzwänden konstruiert worden sein. Die Ausstellung dauerte übrigens keine 6 Monate, soll aber 2.700 Aussteller und 5 Mio. Besucher untergebracht haben.


Die architektonische Gesamtleitung der Ausstellung übernahmen zwei Düsseldorfer Architekten ab 1901, nachdem der Hamburger Architekt, der die Pläne des Ausstellungsgeländes für 168 Ausstellungsgebäude entwickelt hatte, überraschend gestorben sein soll. Also haben wir es hier also wieder mit einem utopischen klingenden Schnellbauprogramm zu tun.


"Der Pavillon der Rheinischen Metallwarenfabrik in Düsseldorf, die in Kriegsmaterial die einzige deutsche Konkurrenz Krupp's darstellt, wird in den gefälligen Formen der deutschen Renaissance gehalten und nach dem Entwurf der Professoren Schill und Kleesattel von den Firmen Hein, Lehmann und Co. und Max See in Düsseldorf ausgeführt. Das Gebäude bedeckt einen Flächenraum von 1200 qm und besteht im Inneren aus einem 17,5 m hohen Mittelschiff mit zwei niedrigeren Seitenschiffen, die in zwei 25 m hohe Türme ausladen. Die Spitze des Portalgiebels ist etwa 20 m hoch. Zwei Freitreppen führen von den Stufen des Hauptportals zu den Turmeingängen, wodurch ein sehr anziehendes Aeusseres der Fassade geschaffen wurde." 

Aus: Die Industrie- und Kunstausstellung in Düsseldorf 1902. Autor: Anonymus; Fundstelle: 1901, Band 316 (S. 629–638).

 

Selbstverständlich gibt es dazu keine Baupläne oder Fotos dieses Pavillons. Interessant auch wieder der vermeintliche Zierrat an den Spitzen des Gebäudes. Ein Renaissance-Gebäude für eine Waffen- und Munitionsfabrik?

 
Merkwürdigerweise ist man sich heute noch nicht einmal sicher, wie lange der Pavillon nach der Ausstellung dort noch stand (für mich ein Hinweis darauf, dass der Bau ursprünglich nicht zur Ausstellung gehört haben könnte). Er soll "…bis mindestens 1904 in situ erhalten…" geblieben sein. Warum weiss man darüber nix genaueres?